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Der Kapitalbedarf – Wie finanziere ich das alles?

Wissens-ABC

Wie viel Geld brauchen Sie, um die notwendigen Investitionen für Ihre Existenzgründung finanzieren zu können? Was kostet das erste Material- und Warenlager, die Vorfinanzierung Ihrer Produktion bzw. Dienstleistung, die Außenstände, die Anlaufkosten, die Kosten des Markteintritts und nicht zuletzt Ihr eigener Lebensunterhalt?

Es wird nicht reichen, wenn Sie nur ein paar Zahlen „über den Daumen peilen“, sondern Sie müssen Ihren langfristigen und kurzfristigen Kapitalbedarf sorgfältig berechnen und planen. Nur durch eine umfassende und sorgfältige Kapitalbedarfsplanung können Sie Finanzierungs- und Liquiditätsengpässe vermeiden. Ein ausgefeiltes Finanzkonzept ist außerdem eine der tragenden Säulen Ihres Geschäftsplans.

Denken Sie daran:
  • Der Kapitalbedarf darf nicht zu knapp aber auch nicht zu hoch ermittelt werden.
  • Unnötige Investitionen verursachen Kosten und reduzieren Ihre Erfolgsaussichten.
  • Durch ungenutzte Räume oder zu gering ausgelastete Maschinen entstehen Kosten, die den Gewinn schmälern oder sogar zu Verlusten führen.
  • Andererseits darf Ihr Geschäftsbetrieb nicht zu provisorisch wirken.
  • Berücksichtigen Sie für die Startphase Ihres Vorhabens auch die Kosten der Lebenshaltung.
  • Planen Sie eine Reserve für Unvorhergesehenes ein.


Unterscheiden Sie zunächst zwischen dem lang- und kurzfristigen Kapitalbedarf. Der langfristige Kapitalbedarf umfasst Mittel für das Anlagevermögen, den Warenanfangsbestand und die Kosten der Gründung. Beim kurzfristigen Kapitalbedarf handelt sich hier um die Vorfinanzierung Ihrer Produktion bzw. Dienstleistung und der Außenstände, also alles, was Sie vorfinanzieren müssen bis der Kunde bezahlt hat. Dieser kurzfristige Kapitalbedarf wird auch als „Betriebsmittelbedarf“ bezeichnet. Dessen Höhe kann nicht pauschal angegeben werden und ist von der jeweiligen Branche, von deren Zahlungsgepflogenheiten und den voraussichtlichen Umsätzen abhängig.

Schritt 1: langfristiger Kapitalbedarf
Listen Sie zunächst die erforderlichen Investitionen auf, die für einen leistungs- und konkurrenzfähigen Betrieb notwendig sind. Dabei sollten Sie alle Anschaffungen einbeziehen, die Sie voraussichtlich im ersten Jahr tätigen müssen. Dazu gehören:

  • Betriebsgrundstück und -gebäude
  • Betriebs- und Geschäftsausstattung
  • Maschinen, maschinelle Anlagen und Werkzeuge
  • Betriebsfahrzeuge
  • Material- und Warenlager
  • Gründungskosten (Beratung, Rechtsanwalt, Steuerberater usw.)
  • Ingangsetzungskosten

Tipps:

  1. Achten Sie auf die sogenannte Fristenkongruenz, d.h. der langfristige Kapitalbedarf muss durch Eigenkapital und langfristige Fremdmittel gedeckt sein.
  2. Berücksichtigen Sie Nebenkosten wie Grunderwerbsteuer, Notariatskosten, Gebühren und Kosten der Kapitalbeschaffung.
  3. Ermitteln Sie den Kapitalbedarf realistisch und vollständig. Dies ist für die richtige Finanzierung Ihres Betriebs notwendig.
  4. Setzten Sie in Ihrem Investitionsplan jeweils den Nettopreis ohne Mehrwertsteuer an. Beachten Sie aber, dass Sie bei einem späteren Rechnungseingang die Mehrwertsteuer vorfinanzieren müssen.
  5. Planen Sie Ihre Investitionen rechtzeitig und nicht unter Zeitdruck. Sonst besteht die Gefahr, dass Sie kostengünstige Lösungen nicht nutzen können.
  6. Wenn Sie einen bestehenden Betrieb erwerben wollen, dann müssen Sie neben dem Übernahmepreis auch die zusätzlichen Investitionen berücksichtigen.

Schritt 2: Kurzfristiger Kapitalbedarf
Außer dem langfristigen Investitionsbedarf ist auch ein kurzfristiger Kapitalbedarf bzw. ein Betriebsmittelbedarf zur Vorfinanzierung der betrieblichen Kosten und Außenstände erforderlich, da eine gewisse Zeit verstreicht, bis Sie die ersten Einnahmen verbuchen können. In dieser Anlaufzeit sind die Einnahmen geringer als die Ausgaben. Erst wenn die Einnahmen die Ausgaben übersteigen, ist die erste „Durststrecke" überwunden. Planen Sie einen Zeitraum von zwei bis drei Monaten ein. Bei der Berechnung des Betriebsmittelbedarfs sollen Sie folgende Positionen berücksichtigen:

  • Personalkosten
  • Miete bzw. Pacht
  • Energiekosten
  • Fahrzeugkosten
  • Büro- und Verwaltungskosten
  • Werbe- und Vertriebskosten
  • Zinsen und Tilgungen Ihrer Kredite
  • Voraussichtliche Außenstände
  • Notwendige Privatentnahmen für Lebensunterhalt, Miete, Versicherungen usw.

Tipps:

  1. Den Betriebsmittelbedarf dürfen Sie unter keinen Umständen zu gering ansetzen. Liquiditätsengpässe und langwierige Verhandlungen mit den Banken können sonst die Folge sein.
  2. Gehen Sie auf ,,Nummer Sicher": Berücksichtigen Sie auch noch eine ausreichende Liquiditätsreserve für Unvorhergesehenes.
  3. Halten Sie andererseits den Betriebsmittelbedarf so gering wie möglich, denn er schränkt Ihren Finanzierungsspielraum ein.
  4. Bedenken Sie, dass bei steigenden Umsätzen auch der Betriebsmittelbedarf größer wird, denn Sie müssen dann höhere Außenstände vorfinanzieren.

Wie können Sie den Kapitalbedarf reduzieren?

  • Viele Maschinen, Geräte, Einrichtungen und Fahrzeuge können Sie auch gebraucht kaufen.
  • Durch Leasing können Sie Ihren Kapitalbedarf zunächst wesentlich entlasten. Beachten Sie aber, dass Leasing meistens eine teure Finanzierung ist.
  • Nutzen Sie die Möglichkeiten von Dienstleistungsunternehmen und Kooperationen (z. B. Car- und Gerätesharing, Mietberufskleidung usw.).
  • Wickeln Sie Ihre Aufträge rasch ab und stellen Sie die Rechnung sofort nach Abschluss des Auftrags.
  • Räumen Sie Zahlungsanreize ein (z. B. Skonto).
  • Vereinbaren Sie Abschlagszahlungen.
  • Achten Sie auf eine rationelle Lagerhaltung.
  • Verhandeln Sie über die Liefer- und Zahlungsbedingungen Ihrer Lieferanten.
  • Überwachen Sie regelmäßig Ihren Zahlungseingang und achten Sie auf ein geordnetes Mahnwesen.

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