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Nachfolge gesucht in Handwerksbetrieben

Die Übernahme eines bestehenden Unternehmens bringt viele Vorteile mit sich. Das Geschäftskonzept ist erprobt, die Firma ist am Markt bekannt und der oder die Übernehmende macht ab dem ersten Tag Umsatz. Mittlerweile haben sich jedoch die Auswahlmöglichkeiten stark verändert: Hatte früher die oder der Übergebende eine große Auswahl an Nachfolge-Kandidat/innen, sind nun die Übernehmenden in der vorteilhaften Position, sich den passenden Betrieb aussuchen zu können.

Sich wandelnde Werte in der Nachfolge-Generation

Der demografische Wandel (Alterung der Bevölkerung) führt auch im Handwerk dazu, dass immer mehr Betriebe eine Nachfolge suchen, während die Zahl der potentiellen Übernehmerinnen und Übernehmer gleichzeitig immer weiter sinkt.

Daneben macht sich auch noch ein weiteres Phänomen bemerkbar: Das Interesse an der Selbständigkeit nimmt seit Jahren deutlich ab und dies, obwohl die rein wirtschaftlichen Aussichten für selbständige Handwerkerinnen und Handwerker besser sind, denn je.

Soziologinnen und Soziologen erklären dies mit dem besonderen Verhalten der „Generation Z" (Jahrgänge von 1995 bis 2012): Diese Generation strebt deutlich weniger nach ökonomischen Werten, sondern nach einem wohl ausgeglichenen Leben – einem Leben nach der Maxime der „Work-Life-Balance". Arbeit ja, auch gut bezahlt, aber auch ausreichend Freizeit für Familie, Freunde, Urlaub und Hobby.

In der Summe bedeutet dies gute Aussichten für all jene, die dennoch den Sprung in die Selbständigkeit wagen wollen und den Sinn der Selbständigkeit in einem selbstbestimmten Leben mit viel Eigenverantwortung aber auch mit vielen Freiheitsgraden sehen.

Anlaufstellen für die Suche eines Betriebs zur Nachfolge:

Wenn Sie einen Betrieb suchen, können Sie sich über die folgenden Wege informieren und geeignete Unternehmen finden:

  • Betriebsbörse der zuständigen Handwerkskammer
  • Bundesweite Betriebsbörse nexxt-change.org
  • Innung
  • Fachverband
  • Deutsche Handwerkszeitung (DHZ)
  • Fachzeitschriften
  • Firmenmakler/innen und deren Online-Börsen
  • Lieferunternehmen
  • Handelsvertretungen
  • Private Kontakte

Alternativ können Interessierte natürlich auch selbst am Markt aktiv werden und sich in verschiedenen Betriebsbörsen als „Suchende" eintragen lassen. Inserate, zum Beispiel im Gemeindeblatt, in gängigen Fachmagazinen oder in der Deutschen Handwerkszeitung unter „Existenzen", sind eine weitere Möglichkeit mit einem positiven Nebeneffekt: Sie sind dann nicht mehr die Suchenden, sondern die Gesuchten. Das verbessert die Verhandlungsposition für eine mögliche Übernahme deutlich.

Solide Entscheidungsgrundlagen finden

In einigen Fällen stehen gleich mehrere Betriebe zur Auswahl, die für eine Übernahme in Betracht kommen. Das erschwert die Entscheidung.

Werkzeug eines GoldschmiedsFür eine fundierte und gut durchdachte Entscheidung sollten verschiedene Parameter in die Überlegung einbezogen werden:

  • Kaufpreis - Bei der Wertermittlung hilft die zuständige Handwerkskammer oder der Fachverband
  • Personalstruktur - Wie erfahren oder wie jung ist die Belegschaft?
  • Produktpalette - Ist der Betrieb spezialisiert oder eher breit aufgestellt?
  • Feste Kundschaft - Gibt es einen oder mehrere Abnehmer?
  • Entwicklungspotential
  • Wettbewerb - Herrscht reger Wettbewerb oder ist der Wettbewerbsdruck gering?
  • Branche - In welche Richtung tendiert die Branche?

Die Zahl der Kriterien, welche die Kaufentscheidung beeinflussen, ist individuell verschieden. Um aber solide entscheiden zu können, ist es wichtig alle Faktoren zu berücksichtigen. Dies ist nicht ganz einfach, da den einzelnen Parametern oft eine unterschiedliche Gewichtung beigemessen wird.

In diesem Fall helfen Entscheidungsmodelle, zum Beispiel das Aufstellen einer Entscheidungsmatrix, um eine fundierte und nachvollziehbare Entscheidung zu treffen. Ihre Handwerkskammer ist Ihnen beim Erstellen aller nötigen Entscheidungsgrundlagen jederzeit gerne behilflich.

Vereinbaren Sie einen kostenlosen Beratungstermin bei Ihrer betriebswirtschaftlichen Beraterin oder Berater.

© Foto: Falk Heller, www.argum.com