2975 < 2935

Unternehmensbewertung

 

Handwerksbetriebe sind einmalig. Einen Handwerksbetrieb gibt es in der gleichen Form am Markt nicht ein zweites Mal. In einer solchen Situation kann der Wert des Betriebes auch nicht oder nur sehr schwer am Markt ermittelt werden. Daher bedarf es betriebswissenschaftlicher Verfahren, die zumindest einen Ausgangspunkt für die Kaufpreisverhandlungen liefern.

Beim Kauf eines Betriebs stellen sich unweigerlich zwei Fragen:

Was ist der Betrieb wert? und
Lohnt sich der Kauf des Betriebes?

Um diese zentralen Fragen zu beantworten, sollten man wissen, was gekauft oder übernommen wird. Zum einen ist dies sicherlich die Substanz, also die Summe der Marktwerte aller Maschinen, Geräte, Fahrzeuge und Waren. Zum anderen ist dies der Betrieb als Einheit, als funktionierende Ertrags- bzw. Einkommensquelle.

Wie kann der Wert eines Betriebes ermittelt werden?

  1. Substanzwertmethode – hier werden die Zeitwerte der Maschinen, Geräte, Fahrzeuge und Waren zu einer Summe aufaddiert. Der Substanzwert ist der Mindestwert eines Betriebes.
  2. Ertragswertmethode – die Ertragswertmethode ist ein betriebswissenschaftliches Modell basierend auf der Investitionsrechnung. Der Wert bestimmt sich in diesem Modell über die Summe der diskontierten, zukünftigen Erträge.

Auf der Ertragswertmethode baut auch das AWH-Verfahren der Handwerkskammern (AWH = Arbeitsgemeinschaft der Wert ermittelnden Betriebsberater im Handwerk) auf. Das AWH-Verfahren berücksichtigt auch Einflussgrößen, die bei der Bewertung von kleinen und mittleren Unternehmen von großer Bedeutung sind.

Erfolgsprognose

Auf Basis von testierten Vergangenheitswerten (Bilanzen und Gewinn- und Verlustrechnungen des Betriebes) wird eine Erfolgs-/Gewinnprognose erstellt. Die Erfolgsprognose wird um Außerordentliches bereinigt und steuerliche Werte werden durch betriebswirtschaftliche Werte ersetzt:

  • betriebsfremde und außerordentliche Aufwendungen / Erträge
  • kalkulatorischer Unternehmerlohn bei Einzelunternehmen und Personengesellschaften
  • kalkulatorische Verzinsung des betriebsnotwendigen Vermögens
  • kalkulatorische Miete

Daneben werden erkennbare und feststellbare zukünftige Veränderungen berücksichtigt.

Kapitalisierungszinssatz

Die prognostizierten Gewinne unterliegen, wie alle in die Zukunft gerichteten Werte, der Unsicherheit. Deshalb müssen sie abgezinst bzw. diskontiert werden. Der Abzinsungsfaktor bzw. der Kapitalisierungszinssatz setzt sich aus folgenden Zinsgrößen zusammen:

  • Basis Zins (i) - Zins {i} für eine sichere Anleihe und dem
  • Risiko Zins (r) - Zinsaufschlag {r} in Abhängigkeit vom Risiko

Die Besonderheiten klein- und mittelständischer Betriebe finden primär im Risikozinssatz ihre Berücksichtigung. Dazu zählen allen voran die Inhaberabhängigkeit, aber auch Kunden- und Personenabhängigkeit, Branchenkonjunktur, Betriebsausstattung, Wettbewerbsintensität, Produkt- und Leistungsangebot und die Personalstruktur.

Im AWH-Modell werden alle Risiken über den Risiko Zins {r} eingepreist. Diese beeinflussen das Ergebnis erheblich. Ziel des Verfahrens ist die Ermittlung eines realistischen Wertes für das gesamte Unternehmen, der für beide Seiten, Verkäufer wie Käufer, als fair erachtet wird.

Berechnung des Ertragswertes

Die abgezinsten Rückflüsse aus der Erfolgsprognose werden zum sogenannten Barwert oder auch Ertragswert aufsummiert:

                                                         prognostizierter Gewinn
Unternehmenswert (Ertragswert) =-------------------------------------- x 100
                                                      Kapitalisierungszinssatz {i+r}

 

Rechnet sich der Kauf des Betriebes zum ermittelten Wert?

Um abschließend zu klären, ob sich der Kauf des Betriebes rechnet, erstellen die Betriebsberater/innen Ihrer Handwerkskammer gemeinsam mit Ihnen einen Businessplan, mit dessen Hilfe die Vorteilhaftigkeit (Rentabilität), die Tragfähigkeit und die Finanzierbarkeit Ihres Unterfangens geprüft wird. Den Businessplan schreiben Sie daher in erster Linie für sich selbst und erst in zweiter Linie für die Banken oder Förderinstitute.

Feedback

Alle Felder sind Pflichfelder.