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Andreas und Melanie Drießler, ohrengold Hörgeräte-Akustik, Steinheim an der Murr

Erfolgreich im Handwerk

15.08.2013

Kontaktdaten:
ohrengold Hörgeräte-Akustik
Kleinbottwarer Str. 15
71711 Steinheim an der Murr
Tel: 07144 – 130 60 80
Web: www.ohrengold.com

Branche: Hörgeräteakustik

Gründungsdatum: 06.12.2012

Team: 2 Personen (Andreas und Melanie Drießler, Hörgeräteakustikermeister und Hörgeräteakustikerin)

Produkt- und Leistungsangebot:
Hörgeräte mit fachspezifischem Zubehör, Gehörschutz, Lichtsignal und Kommunikationsanlagen

Besonderheiten der Geschäftsidee:
Extrem kundenorientiert, flexibler Service für private Endverbraucher, zertifizierter Gehörschutz für Gewerbe- und Industriebetriebe

Lebenslauf Gründer:
Andreas Drießler absolviert 1992 die Gesellenprüfung zum Hörgeräteakustiker und erwirbt bereits 1995 den Meistertitel für diesen Beruf. Bis 1997 arbeitet er in seinem Ausbildungsbetrieb Neubert & Seitz. Dort übernimmt er früh leitende Funktionen in Konzeption, Ausbildung und Einkauf. Es folgen fortlaufend fachliche Weiterbildungsmaßnahmen, Managementseminare und Verkaufsschulungen mit den unterschiedlichsten Schwerpunkten. Von 1997 bis 2012 sammelt Andreas Drießler in zahlreichen namhaften Firmen einen breit gefächerten Erfahrungsschatz. Sowohl in der Entwicklung, als auch im Service arbeitet er als Teamleiter stets eigenverantwortlich und ist zuletzt für den Betrieb von zehn Filialen zuständig.

Geplante Geschäftsentwicklung: Expansion durch Filialgründungen

Netzwerke: Hörgeräteindustrie, Meisterprüfungsausschuss

Interview:

„Gold für die Ohren“

Andreas Drießler gründet Ende 2012 zusammen mit seiner Frau und Teamkollegin Melanie in Steinheim das Fachgeschäft ohrengold Hörgeräte-Akustik. Der Start verläuft ausgezeichnet – und das im wahrsten Sinne des Wortes. Am 3. Juni 2013 wird Andreas Drießler der Gründerpreis der Sparkassen-Finanzgruppe Baden-Württemberg verliehen. Unter allen teilnehmenden Unternehmens-Neugründungen aus ganz Baden-Württemberg ergattert das Unternehmenskonzept »ohrengold - hören | verstehen | leben« den 5. Platz.

Was war für Sie die Motivation zur Selbständigkeit?

Nach über 20 Jahren im Angestelltenverhältnis, meist in Führungspositionen, wurde der Wunsch immer größer, einen eigenen Betrieb zu gründen. Zumal mich zuletzt der Beruf zum Wochenendpendler machte und ich Beruf und Familie wieder vereinen wollte. In Folge dieser Zäsur war der Schritt in die Selbstständigkeit für mich dann nur noch die einzig logische Konsequenz, um das Ziel persönlich sinnvoll erfüllt zu erreichen. Aber ich möchte kein Jahr als Angestellter missen, denn mit den hier gewonnenen vielfältigen Erfahrungen konnte ich mit dem Schritt in die Selbstständigkeit vieles deutlich gelassener, sicherer und weniger „blauäugig“ angehen bzw. umsetzen! Außerdem habe ich in der Vergangenheit bei vielen Filialgründungen mitgewirkt und ich kann sagen: die eigene lief bisher am erfolgreichsten.

Was ist Ihre Geschäftsidee und Philosophie?

Wie alle unsere Berufskollegen verfolgen wir ein Ziel: möglichst vielen Menschen mit dem Verkauf von Hörgeräten ein Stück Lebensqualität zurück zu geben bzw. zu erhalten! Denn sowohl meine Frau als auch ich sind mit hochgradig hörgeschädigten Familienmitgliedern aufgewachsen und haben früh miterlebt, was das für die Betroffenen und Angehörigen bedeutet. Für uns war das damals der Grund, diesen Beruf zu ergreifen. Leider bleibt in unserer Branche aufgrund der engen Vorgaben unserer Berufs- und Handwerksordnung nicht viel Raum für Ideen. Aber meine Philosophie lautet: Sei authentisch Du selbst und habe nicht nur (D-)ein Ziel, sondern auch Träume!

Was sehen Sie als größte Stärke Ihres Unternehmens?

Bei uns ist das die Kombination aus zwei Stärken: eine starke Empathie und ein großes Fachwissen. Das besondere Verständnis für die Wünsche und Empfindungen unserer Kunden können wir erfolgreich mit unserem riesengroßen Erfahrungspool aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln und Einsatzgebieten unserer Branche verknüpfen. Und im Wettbewerb mit sich immer weiter ausbreitenden Großfilialisten hat der inhabergeführte Fachbetrieb meiner Meinung nach noch immer eine hervorragende Chance zu bestehen. Denn das Vertrauen der Kunden ist viel schneller da und zusätzliche Serviceangebote wie regelmäßige Hausbesuche werden dankbar angenommen.

Was waren die wichtigsten Schritte auf dem Weg zur Selbständigkeit?

Zu allererst die Auseinandersetzung mit der Familie: sind ALLE wirklich bereit zu diesem Schritt?! Und dann die vermutlich üblichen Stufen: Standort und passendes Ladenlokal finden, Businessplan erarbeiten, Finanzierungsgespräche führen, Planung und Umbau des  Ladenlokales -  bis dann endlich eröffnet wird, gehen, wie in unserem Fall, sicherlich neun Monate ins Land. Ich hatte zudem das Glück, den Schritt in die Selbstständigkeit mit einer erfolgreichen Teilnahme am Gründerwettbewerb des Sparkassenbundes BW zu beginnen. Es ist ein tolles Gefühl, als einziger Vertreter eines traditionellen Handwerksberufes unter den Top 5 zu landen! Und das hat dem Betrieb sicher nochmals einen positiven Schub gegeben.

Welche Hürden empfanden Sie bei Ihrer Betriebsgründung als besonders hoch und was würden Sie jetzt anders machen?

An sich gar nicht mal so viel, denn der Start verlief positiv und hat viele Ansätze bestätigt. Die größte Hürde war der Umbau. Denn es hat lange gedauert und viele Rückschläge gegeben bis wir endlich die richtigen Partner für die umfangreichen Umbaumaßnahmen gefunden hatten. Als Handwerksmeister konnte ich da oft nur resignierend den Kopf schütteln. Tut mir leid, aber ich kann jetzt so manche allgemeine Verbraucherkritik und Schelte am Handwerk durchaus nachvollziehen. In Zukunft werde ich meine Projektplanungen schon im Vorfeld noch intensiver, detaillierter und kritischer überprüfen und vor allem schon mit der Idee die notwendigen Gewerke aktivieren. Letztendlich haben wir mit acht Wochen Verzug eröffnet. Das war innerhalb meines gesetzten Zeitpolsters gerade noch vertretbar, aber an sich unnötig! Das habe ich eindeutig gelernt.

Haben Sie im Gründungsprozess externe Unterstützung in Anspruch genommen?

Ja, habe ich. Neben dem Besuch eines mehrtägigen Gründerseminares habe ich das Beratungsangebot des „Gründerbüros“ der Stadt Stuttgart genutzt sowie allgemeine Beratungspools im Internet, wie das der Handwerkskammer, der Rentenversicherung oder des Bundeswirtschaftsministeriums.

Welche Visionen und konkrete Ziele haben Sie noch?

Unsere Vision ist es, den gesellschaftlichen Stellenwert von Hörgeräten mittels fachlich fundierter und qualitätsbewusster Arbeit aktiv zu stärken. Also über den tatsächlichen Nutzengewinn für den Besitzer hinaus ein eher unbeliebtes Produkt wirklich wertvoll zu machen – eben „Gold für die Ohren“! Ein konkretes Ziel wird die baldige Eröffnung einer weiteren Filiale sein. Sobald meine Frau ihren Meister in der Tasche hat, kann es losgehen!

Welchen Hinweis möchten Sie Neugründern mitgeben?

Wer sich grundsätzlich entschieden hat: gründen! Aber bitte nie einfach aus einer unbestimmten Laune heraus oder, noch schlimmer, aus Ärger über den Chef den Schritt in die Selbstständigkeit wagen! Es braucht Geduld und die Erkenntnis, wann der rechte Zeitpunkt da ist (auch wenn es mal länger dauert!). Am wichtigsten ist in jedem Fall jedoch eine fundierte Vorbereitung.  

Herr und  Frau Drießler, wir danken Ihnen für dieses Interview und wünschen Ihnen und Ihrem Unternehmen alles Gute und weiterhin viel Erfolg!

Das Interview führte die Handwerkskammer Region Stuttgart.
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