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Miriam Gall, Fräulein Gall Frisöre, Reutlingen

Erfolgreich im Handwerk

18.04.2017

Mit Mut und guter Planung in die Selbständigkeit

Miriam Gall wagte mit der Gründung ihres Frisörsalons den Sprung ins kalte Wasser – aber nicht ohne ein gut durchdachtes Konzept.

 

Nach dem Abi studieren – so stellte sich Miriam Gall ihre Zukunft vor.  Es kam aber anders.

„Da ich schon zu Schulzeiten immer frustriert vom Frisör heim kam, begann ich, Experimente an Freunden zu starten“, erzählt sie. Die waren durch die Bank von ihren Künsten begeistert. Als es dann um die Wahl des Studienfachs ging, war sich Miriam Gall unsicher. Ein Kunststudium? Aber mit welcher beruflichen Perspektive?

Sie folgte dann dem Rat einer Freundin, erst einmal eine Friseurlehre zu machen und dann zu studieren. Mehr durch Zufall kam sie zu ihrer Lehrstelle bei einem Friseursalon in Hirschau. Durch ihr Abitur bekam sie eine Lehrzeitverkürzung, so konnte sie bereits zwei Jahre später ihre Gesellenprüfung abschließen – als Innungsbeste. Ihre damalige Chefin war „streng, aber großartig!“, wie Miriam Gall betont, und erkannte früh das Potenzial ihrer erfolgreichen Auszubildenden.

„Sie gab mir den Rat, gleich den Meister dranzuhängen. Sie hatte absolutes Vertrauen, dass ich das packen würde.“ In Lörrach besuchte Miriam Gall in Vollzeit die Meisterschule und bestand nach dreieinhalb Monaten die Meisterprüfung – als Zweitbeste.

Die komplette Ausbildung also in zweieinhalb Jahren: „Das ist eher unüblich,“ sagt Miriam Gall, „und ich empfehle auch eher, ein bis zwei Jahre am Stuhl zu arbeiten, um Erfahrungen zu sammeln und auch persönlich zu reifen.“

 

Ein bewegtes Berufsleben – mit vielen „positiven Veränderungen“

Als Meisterin war sie im Anschluss in kleineren Friseursalons tätig, bewarb sich dann für die Ausbildung zur Fachtrainerin im Goldwellstudio in Düsseldorf und wurde dort angenommen. Als ihre ehemalige Chefin aus Krankheitsgründen für ein halbes Jahr pausieren musste, ging sie für diese Zeit zurück in ihren Lehrbetrieb.

Aber es zog sie wieder in die Industrie. Für Aveda betreute sie als Salon Development Partner und Farbtrainerin Südwestdeutschland und die Schweiz. „Ein toller Job, aber irgendwann hatte ich kein Privatleben mehr“, erzählt sie. So entschied sie sich, wieder im Salon zu arbeiten. Ein bewegtes Berufsleben – „aber es waren immer positive Veränderungen“, betont sie.

Eineinhalb Jahre später wurde sie schwanger. „Das war der Moment, in dem sich mein ganzes Leben geändert hat.“ Mit der Geburt ihres Sohnes stand sie als Alleinerziehende plötzlich vor einer existenziellen Entscheidung. Auf staatliche Hilfen wollte sie nicht angewiesen sein, die einzige Alternative war der Sprung in die Selbständigkeit. „Ich wollte ein selbstbestimmtes Leben führen und meinem Kind eine gute Zukunft ermöglichen.“

 

„Die Hürde zur Selbständigkeit war für mich kleiner als die Bürde, vom Staat leben zu müssen.“ (Miriam Gall)

So fing sie an, einen Businessplan zu entwickeln. Kein einfaches Unterfangen, gerade wenn man noch nie mit dieser Materie beschäftigt war. Unterstützung holte sich Miriam Gall bei Sylvia Weinhold, Gründungsberaterin bei der Handwerkskammer Reutlingen. „Die Beratung der Handwerkskammer kann ich nur wärmstens empfehlen. Frau Weinhold hat mich hervorragend beraten, so lange, bis alles Hand und Fuß hatte.“

Finanziell war das Unterfangen eine Riesenherausforderung: „Ich besaß ja nichts!“ Die Hausbank hatte Lösungen parat, ihre Tante und Oma gaben einen Kredit und zudem bestand Aussicht auf einen Gründungszuschuss, den sie nach einigen Widrigkeiten auch erhielt.

Mit dem Sohn im Maxi-Cosi ging sie perfekt vorbereitet in die Gespräche mit Kreditgebern und Institutionen. Sie überzeugte mit ihrer ehrlichen und zielstrebigen Art, auch den Vermieter der Wohnung und Räume, in dem sie 2012 ihren eigenen Salon „Fräulein Gall“ eröffnete. Ein Jahr später stieß eine Freundin und ehemalige Arbeitskollegin dazu. Zum Team gehören heute neben den beiden Friseurmeisterinnen noch drei Friseurinnen, teils in Teilzeit.

Am 1. April feiert der Salon sein fünfjähriges Bestehen. Ihr Konzept ist aufgegangen, Termine sind lange im Voraus ausgebucht. „Wir sind chronisch unterbesetzt und ständig auf der Suche nach Mitarbeitern.“

Miriam Gall ist inzwischen verheiratet, der Sohn ihres Mannes und ein gemeinsames Kind kamen hinzu. „Ich habe immer Zeit für die Kinder“, sagt sie. Sobald die Jüngste in die Krippe kommt, will sie ihre bisherige Drei-Tage-Woche wieder aufstocken. „Ich bin zufrieden mit meinem Leben!“, sagt sie voller Inbrunst. Und der Traum vom Studium? „Wenn ich in Rente bin, studiere ich – nur für mich!“

Seit fünf Jahren führt Miriam Gall ihren eigenen Salon in Reutlingen. Immer auch über den Friseurhorizont hinausblicken - das ist ihr Anspruch an sich selbst und ihr Team. „Bei Frau Gall hatte ich direkt ein gutes Gefühl“, berichtet Sylvia Weinhold, Unternehmensberaterin der Handwerkskammer Reutlingen. „Sie war absolut zielstrebig und hatte sich sehr gut vorbereitet. Dazu gehörte auch, dass sie sich externen Rat geholt und diesen angenommen hat.“

Quellen:

Text: Ingrid Pflock-Rutten / Handwerkskammer Reutlingen

Bild: Horst Haas

 

Kontaktdaten

Fräulein Gall Frisöre
Inh. Miriam Gall
Payerstraße 24
72764 Reutlingen
Tel.: 07121 - 3825367
info@fraeuleingall.de
www.fraeuleingall.de

 

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