Liquide sein – Liquidität schaffen

Thema des Monats

 

Die gute Konjunktursituation der letzten Jahre, in vielen Betrieben ständiges Wachstum, höhere durchsetzbare Marktpreise, steigende Betriebsleistungen und andere positive Signale haben dazu geführt, dass manche Betriebsinhaber sich die Frage, ob und wie manche Vorgänge im Betrieb finanziert werden können, gar nicht mehr stellen.

Die Betriebseinnahmen sprudeln, ständig neue Auftragseingänge, die kaum noch zu bewältigen sind, weil sowohl im Personalbereich als auch im Materialbereich die Ressourcen weitgehend ausgeschöpft sind. Dazu kommen fast täglich Meldungen der Handwerksorganisationen, wie gut die Aussichten für das Handwerk in den nächsten Jahren sind.

Trotz guter Prognosen vorbereitet sein

Alle diese Aussagen und Entwicklungen sind unbestritten und die insgesamt sehr gute Stimmung im Handwerk soll keinesfalls gedämpft werden. Aber mancher Betrieb und manche Branche sollten gewappnet sein für die Zukunft, die sicher irgendwann auch geringere Wachstumsphasen mit sich bringt.
Dann heißt es wieder, sich mit den Zahlen des eigenen Betriebes zu beschäftigen und dazu gehört vor allem ein stetiges Augenmerk auf den Kontokorrentkredit bei der Hausbank.

In diesem Zusammenhang stellen sich dann einige bedeutende Fragen für den Betriebsverantwortlichen:

  • Ist meine Kreditlinie ausreichend hoch vereinbart mit der Bank?
  • Benötige ich ein zweites Kreditinstitut, um mich vor Liquiditätsproblemen zu schützen?
  • Kenne ich immer den aktuellen Kontostand?
  • Welche Investitionen der Vergangenheit wurden fälschlicherweise über das kurzfristige Konto finanziert?
  • Wie lässt sich die Inanspruchnahme des Kontokorrentkredites zurückfahren?
  • Welche Möglichkeiten gibt es, neue Liquiditätsfreiräume zu schaffen, wenn bereits Engpässe in der Liquidität aufgetreten sind?

Gerade bei diesem Thema können sich sowohl etablierte Handwerksbetriebe als auch junge Handwerksunternehmen direkte und kostenfreie Hilfe bei ihrer Handwerkskammer holen. Liquidität, Höhe des vereinbarten Kreditrahmens und Gespräche mit der Bank zu diesem Thema sind alltägliche Fragestellungen für den erfahrenen Handwerkskammer-Berater.

Welche Faktoren spielen für die Kreditlinie eine Rolle?

Die Berechnungen der angemessenen Kreditlinie sollten bei jedem Betrieb in regelmäßigen Abständen erfolgen. Viele Faktoren bedingen den Rahmen, den der Betrieb mit seiner Hausbank vereinbaren muss. Demzufolge werden Änderungen der Rahmenbedingungen immer Auswirkungen auf die erforderliche Kreditlinie mit sich bringen.

Ein Abschluss eines großen Auftrages, z.B. mit erheblichem Materialeinsatz, bedeutet regelmäßig eine stärkere Inanspruchnahme der Kreditlinie.

Steigen die monatlichen Privatentnahmen, z.B. durch eine private Baumaßnahme, hat auch dies Auswirkungen auf die Höhe der Inanspruchnahme des Kredites.

Hat es sich bei einem bestimmten Kunden eingebürgert, dass dieser seine Rechnungen zwar bezahlt, aber immer sehr spät, dann fehlen diese Einzahlungen längere Zeit auf dem Konto und führen zu einem höheren Kreditvolumen.

Natürlich werden nicht nur diese nachvollziehbaren Argumente in die Höhe der eingeräumten Kreditlinie einfließen, sondern auch alltägliche Überlegungen der Hausbank, wie riskant denn die Gewährung kurzfristiger Mittel an den einen oder anderen Betrieb ist. Deshalb spielt die Besicherung dieser Kredite wie bei allen anderen Fremdmitteln eine bedeutende Rolle.

Verfügt der Inhaber eines Betriebes über entsprechende werthaltige Sicherheiten, dann wird die Hausbank tendenziell eher großzügig agieren und das gewünschte Limit einräumen.

Berechnung des Kreditrahmens bei fehlenden Sicherheiten

Anders sieht es bei fehlenden Sicherheiten aus, was häufig bei neu gegründeten Unternehmen der Fall ist. Hier sind die Kreditinstitute sehr oft und nachvollziehbar vorsichtig und wollen erst die Entwicklung des Betriebes abwarten, bevor größere Volumen angeboten werden. Fehlt dem Inhaber jetzt das Wissen, dass die Bürgschaftsbank Baden-Württemberg einen großen Teil der Risiken absichern kann, dann muss er einfach das meist spärliche Angebot der Hausbank akzeptieren, obwohl gerade diese geringe Kreditlinie eine sinnvolle betriebliche Entwicklung wie geplant verhindert.

Zweitbank – Ja oder Nein?

Solche zu geringen Kreditlinien führen bei vielen Betriebsinhabern zu der Überlegung, eine zweite und zusätzliche Bankverbindung einzugehen. Hier ist jedoch größte Vorsicht geboten, denn Hausbanken, die Kenntnis von der zweiten Bankverbindung bekommen, reagieren meist nicht erfreut. Der Betriebsinhaber sollte also auf jeden Fall bei diesem Schritt seine erste Bank darüber informieren und auch entsprechend begründen. Trotzdem kann diese zweite Bankverbindung durchaus eine leichte Behebung kleinerer Liquiditätsengpässe bedeuten und sollte nicht gänzlich abgelehnt werden.

Gut vorbereitet in das Gespäch mit der Bank

Bei solchen Entscheidungen sind immer mehrere Gespräche mit den Firmenkundenberatern der Banken zu führen. Unabdingbar ist dabei und damit ein Gebot für den Betriebsinhaber, mit aktuellem Wissen über den Stand des Kontokorrentkredites in die Gespräche zu gehen und zu wissen, welche Zahlungen in Kürze eingehen und welche als Auszahlungen an Gläubiger zu leisten sind. Die Kenntnis über den aktuellen Kontostand ist ein Muss für jeden Betriebsinhaber.

Bei der Frage, ob eine Hausbank die Kreditlinie ausdehnen würde, kommt naturgemäß immer auch die Frage zur Klärung, wie denn der Betriebsinhaber in den letzten Monaten mit seinem Geschäftskonto umgegangen ist. Willkürliche Investitionen über das Konto in größerer Summe, unverhältnismäßig hohe Privatentnahmen für Luxusgüter oder andere Auszahlungen, die augenblicklich vom Inhaber nicht erklärt werden können, erschweren den Erfolg des Gesprächs sehr.

Natürlich ist es nachvollziehbar, wenn kleinere Investitionen über das Konto getätigt werden, aber häufigere Summen zwischen 500 € und 1.500 € können den Stand des Geschäftskontos auch um einen 5-stelligen Betrag belasten und dem Betrieb damit die Linie nehmen, die für die betrieblich notwendigen Zahlungen erforderlich wäre.

Investitionen über Kontokorrentkredit vermeiden

Sehr nachteilig ist natürlich, wenn von der Bank festgestellt wird, dass größere Anschaffungen über den Kontokorrentkredit finanziert wurden. Jetzt wird es schwierig, weil der Betriebsinhaber mit diesem Vorgehen eigentlich seine fehlenden unternehmerischen Kenntnisse offenbart hat. Häufig werden Fahrzeuge und kleinere Maschinen im fünfstelligen Bereich über den Kontokorrentkredit finanziert.

Was kann ein Betriebsinhaber tun, wenn festgestellt wird, dass die Kreditlinie zwar ausreichend wäre, aber in der Vergangenheit Beträge über das Geschäftskonto gebucht wurden, die eigentlich über ein langfristiges Darlehen zu finanzieren gewesen wären? Dadurch wäre ein Teil der erforderlichen Liquidität nicht mehr vorhanden und der Betriebsinhaber kann nicht mehr fristgerecht seine Zahlungen über sein Konto anweisen. Liquiditätsprobleme sind die Folge, die so aussehen, dass entweder die Bank Überweisungen nicht mehr ausführt oder aber nur gegen hohe zusätzliche Überziehungsprovisionen. Was also ist zu tun?

Was tun bei einem Liquiditätsengpass durch fehlerhaften Umgang mit dem Geschäftskonto?

Zunächst sollte man das Gespräch mit der Bank suchen, denn ohne detaillierte Erläuterung wird eine Hausbank kaum reagieren. Ziel sollte es grundsätzlich sein, den Stand des Kontokorrentkredites insgesamt zurückzufahren. Das bedeutet, dass alle Kosten darauf überprüft werden müssen, ob sie sinnvoll reduziert werden können. Gleichzeitig muss man die Zahlungseingänge beschleunigen und deren Intervalle verkürzen. Schnellere Rechnungslegung, häufigere Abschlagszahlungen, Vorkasse für Material sind hier wirksame Instrumente.

Man kann auch einen Teil des Geschäftskontos oder das gesamte Konto in ein Darlehen umwandeln und die vereinbarte Kreditlinie beibehalten.

Eine wirksame und von Banken gerne angebotene Möglichkeit ist der Versuch, Investitionen des Betriebes wieder zu verkaufen und anschließend zurück zu mieten.

Banken haben mit verbundenen Leasinggesellschaften geeignete Partner an der Hand, die solche „Sale-and-lease-back"-Finanzierungen gerne übernehmen.

Im Endeffekt bedeutet dies, dass der Käufer ein Wirtschaftsgut unter dem Marktpreis erwirbt, und der Verkäufer diese Summe als zusätzliche Liquidität im Betrieb zur Verfügung hat.

Unterstützung bieten die Handwerkskammern

Alle diese Fragen rund um die Liquidität des Betriebes sind gängige Beratungsthemen der betriebswirtschaftlichen Berater der Handwerkskammern in Baden-Württemberg. Die interessierten Handwerksbetriebe können jederzeit mit dem zuständigen Berater ihrer Handwerkskammer einen Beratungstermin vereinbaren.

 

Quellen

Text:   Handwerkskammer Ulm

Bild:    Pixabay

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