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Betriebsübernahme als Alternative zur Neugründung

Gründungswissen

Wenn über die berufliche Alternative einer Existenzgründung nachgedacht wird, ist der Weg in die Selbständigkeit oftmals mit einer Neugründung gleichgestellt. Es geht aber auch ganz anders: Eine Alternative ist die Betriebsübernahme bzw. Unternehmensnachfolge.

 

 

 

 

 

Diese Möglichkeit gewinnt immer mehr an Bedeutung, da die Voraussetzungen derzeit günstig sind. Etwa ein Drittel aller mittelständischen Betriebe in Deutschland steht in den kommenden Jahren aus Altersgründen an die nächste (Inhaber-) Generation zur Übergabe bereit. Bereits seit rund 10 Jahren verstärkt sich diese Situation, da die Gründergeneration der goldenen 50er und 60er Jahre in den Ruhestand geht und der Stabwechsel erfolgen muß.

Es ist nicht zwingend leichter, einen bestehenden Betrieb weiter zu führen, aber dennoch interessant und lohnenswert. Eine Betriebsübernahme bedeutet nicht, sich einfach "ins gemachte Nest" zu setzen. Es bedarf sowohl einer guten Vorbereitung, wozu auch ein eigenes Konzept zählt, als auch besonderer persönlicher, unternehmerischer und fachlicher Fähigkeiten.

Der Rahmen ist ein anderer: Bei dieser Art der Existenzgründung wird zunächst auf  bestehenden Vorgaben aufgebaut: Das eigene Konzept (welches auch in diesem Fall vorhanden sein sollte) befindet sich noch im Hintergrund. Mitarbeiter, Kunden, Lieferanten und übergangsweise auch der bisherige Inhaber besitzen (mitunter auch teils nostalgische) Gewohnheiten. Es bestehen Selbstverständlichkeiten im Umgang (die nicht nachgelesen, sondern nur erfahren werden können) und sicherlich existieren auch „alte Lager“.

Die Vorteile liegen in einem angestammten Standort - Räume und Geschäftsausstattung sind vorhanden. Der Markt für die Produkte und die Dienstleistungen ist bereits erschlossen, Beziehungen zu Kunden und Lieferanten sind aufgebaut und Mitarbeiter eingearbeitet.

Von Seiten der öffentlichen Förderprogramme ist eine Betriebsübernahme einer Neugründung gleichgestellt.

Die Abwägung, einen Betrieb zu übernehmen statt neu zu gründen lohnt sich allemal. Am Ende der Betrachtung lassen sich konkrete Details gegenüberstellen, womit letztlich sachgerecht entschieden werden kann.

 

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Wie findet man einen Betrieb?

Um potentielle Betriebsinhaber und Übernahmeinteressierte zusammenzubringen sind die  Handwerkskammern Regionalpartner bei der bundesweiten Unternehmensbörse nexxt change. Ein Teil der Handwerkskammern hat dazu noch eine eigene Betriebsbörse (so z.B. Karlsruhe und Stuttgart). Das Gesuch in die Betriebsbörse kann selbst eingegeben oder über die Handwerkskammer erfasst werden, ebenso kann man selbstständig in der Datenbank recherchieren. Die Nutzung der Datenbanken ist kostenfrei. Die Inserate werden aus Gründen des Datenschutzes unter einer Chiffre-Nummer erfasst.

Eigene Vorstellungen zu dem unternehmerischen Konzept (wie oben bereits erwähnt) erleichtern die Suche nach einem Betrieb und das Erstellen eines eigenen Anforderungsprofils:

Wo soll sich der Standort befinden?

Wie groß soll der Betrieb sein (Anzahl der Mitarbeiter, Umsatzgröße u.a.)?

Soll der Betrieb insgesamt gekauft werden, gemietet, gepachtet oder soll eine Beteiligung erfolgen?

Wieviel Eigenkapital kann aufgebracht werden?

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Wie läuft der erste Kontakt ab?

Der erste Kontakt wird durch die Handwerkskammer vermittelt. Im ersten Gespräch steht das gegenseitige Kennlernen der Interessenten, ähnlich einem Vorstellungsgespräch, im Vordergrund. Tagesordnungspunkte für ein erstes Gespräch können z.B. sein:

Erstes gegenseitiges Vorstellen und Abschluss einer Vertraulichkeitserklärung

Vorstellung des Betriebes durch den Betriebsinhaber

Vorstellung des Interessenten und seiner Geschäftsidee bzw. seiner Vorstellungen hinsichtlich einer Übernahme

Erste Zusammenfassung:  Entwicklung und / oder Abgrenzung

Abstimmung weiterer Schritte und eines Zeitplanes

Bricht bei einem solchen ersten Gespräch das Eis und  überwiegen die ersten Übereinstimmungen, ist weiter zu klären, ob der Betrieb zu dem umzusetzenden Konzept wirklich passt.

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Wie geht’s weiter?

In der folgenden Zeit werden die Informationen zum Betrieb immer detaillierter. So gibt es eine Objektbeschreibung und später auch eine Objektbegehung. Gemeinsame Gespräche mit dem Steuer- und ggf. Unternehmensberater des Betriebs und einem des Übernehmers folgen. In die Analyse sind folgende Punkte einzubeziehen:

Standort, Betriebsräume, Betriebs- und Geschäftsausstattung

Ruf des Unternehmens

Mitarbeiter

Kunden und Konkurrenz

Kosten und Erträge

Verträge

Branchenvergleich

Letztlich steht der Wert, also der Kaufpreis des Betriebes, im Gespräch. Dabei sollte geklärt werden, was zu welchem Preis und warum gekauft wird.

Stimmen alle Faktoren und ergibt die Abwägung ein Pro für die Betriebsübernahme anstelle einer Neugründung, dann ist ein Businessplan zu erstellen, der auch die Finanzierbarkeit und Rentabilität des Vorhabens betrachtet. Gespräche zur Finanzierung  und zum Unternehmenskaufvertrag schließen sich an.

Bei der Suche, Anbahnung und Vermittlung von Kontakten zu entsprechenden Betrieben leisten die Handwerkskammern Unterstützung und besitzen auch für die weiteren Schritte ein vielfältiges Leistungsangebot. Die Handwerkskammern bieten teilweise ein spezielles Beratungsangebot, die Nachfolgemoderation, an. Die Nachfolgemoderatoren sind Ansprechpartner sowohl auf Übergeber- als auch auf Übernehmerseite und begleiten die einzelnen Stationen auf dem Weg zur Betriebsnachfolge. Diese Tätigkeit wird kofinanziert aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds.

Die Betriebsberater unterstützen die Existenzgründung mittels Betriebsübernahme ebenso wie eine Neugründung und bieten ein Mentoring bei dem Erarbeiten des Geschäftsplanes an. Und auch bei Konflikten gibt es Unterstützung. Nicht selten besteht im Rahmen des Nachfolgeprozesses der Bedarf einer neutralen Sicht. Hier kann die Mediation als flexibles, vertrauliches und außergerichtliches Verfahren, bei dem die Parteien durch strukturierte Verhandlungen gemeinsam eine Einigung erarbeiten, unterstützen.

Quelle Bilder: pixabay.com

Quelle Text: Handwerkskammer Karlsruhe, 26.11.2015

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