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Arbeitgeberattraktivität kleiner Betriebe

443Arbeitgeberattraktivität kleiner Betriebe

Gründungswissen

Assetrechte: Manfred Grünwald


Geeignete Fachkräfte zu finden und gute Mitarbeiter ans Unternehmen zu binden wird immer schwieriger. Die Lösung: Steigern Sie die Attraktivität Ihres Betriebs für Ihre Mitarbeiter und zukünftigen Bewerber.

 

Steigerung der Arbeitgeberattraktivität

Wenn Ihnen Themen wie Fachkräftemangel und demographischer Wandel zunehmend Sorgen bereiten oder Ihnen das Finden von geeigneten Mitarbeitern schwerfällt, wird es Zeit sich über Ihre Attraktivität als Arbeitgeber Gedanken zu machen.
Gerade kleine Betriebe und Gründer sind auf dem Arbeitsmarkt meist weniger bekannt und können mit dem Gehaltsniveau der Großunternehmen nicht mithalten. Hier ist es besonders wichtig mit anderen Stärken, welche das Arbeiten bei Ihnen einzigartig machen, in der Öffentlichkeit zu punkten.

Faktoren, die Ihr Unternehmen aus Sicht von Bewerbern und Fachkräften attraktiv machen gibt es viele. Einige davon sind:



Doch was ist nun zu tun, um die eigene Arbeitgeberattraktivität zu steigern?

1)  Analysieren Sie Ihre Stärken als Arbeitgeber

Fragen Sie sich selbst und auch Ihre Mitarbeiter:

  • Was zeichnet das Unternehmen als Arbeitgeber aus?
  • Welche Vorteile genießen die Mitarbeiter?
  • Welche Werte werden im Unternehmen gelebt?

 

Es lohnt sich an dieser Stelle der Blick auf mögliche Schwächen innerhalb des Unternehmens. Es gibt bestimmt auch in Ihrem Unternehmen bei den oben genannten Faktoren Verbesserungspotenzial. Bitten Sie an dieser Stelle Ihre Mitarbeiter um ein offenes Feedback. Sollte es Ihren Mitarbeitern schwer fallen Kritik zu äußern, kann ein anonymer Fragebogen weiterhelfen.

 

2)  Analysieren Sie Ihre Zielgruppe

Kaum ein Arbeitgeber schafft es, alle Faktoren zu berücksichtigen und diese seinen Mitarbeitern anzubieten. Dies ist auch nicht notwendig, da jeder Bewerber und Arbeitnehmer bei der Wahl seines Arbeitgebers auf unterschiedliche Schwerpunkte setzt. Während für einen berufstätigen Vater flexible Arbeitszeiten wichtig sein mögen, sind es für die Berufseinsteiger individuelle Karriere- und Weiterbildungsmöglichkeiten.

Überlegen Sie, in welcher individuellen Lebenssituation sich Ihre Mitarbeiter befinden und wie Sie sie motivieren und langfristig ans Unternehmen binden können. Untersuchen Sie, welche Zielgruppe Sie als Arbeitgeber ansprechen und erreichen möchten und auf was diese Zielgruppe Wert legen könnte.

 

3)  Vergleichen Sie die vorhandenen Stärken mit der Zielgruppe

Prüfen Sie ob Ihre vorhandenen Stärken mit den Wünschen der Zielgruppen übereinstimmen. Gibt es Diskrepanzen? Gut, denn nun können Sie aktiv werden.

 

4)  Leiten Sie Maßnahmen ab und setzen Sie diese um

Sollten Ihnen die vorherigen Punkte aufgezeigt haben, dass es noch Handlungsbedarf gibt, sollten Sie Maßnahmen entwickeln und diese umsetzen. Zwei einfache Beispiele:

 

Fall A:
Ein Unternehmer stellt einen Rückgang bei der Anzahl der eingegangenen Bewerbungen offener Ausbildungsstellen fest. Zielgruppe sind in diesem Fall junge, motivierte Jugendliche. Nach einem Gespräch mit seinen derzeitigen Auszubildenden erfährt der Unternehmer, dass das familiäre Umfeld im Betrieb sehr geschätzt wird. Leider wurde den Auszubildenden bisher versagt eigene Ideen und Vorschläge einzubringen und es fällt ihnen schwer einzuschätzen, ob der Chef mit ihren Leistungen zufrieden ist. Aus dem Gespräch leitet der Unternehmer folgende Maßnahmen ab:

  • Die Auszubildenden erhalten in der wöchentlichen Besprechung, genauso wie die restlichen Mitarbeiter, Redezeit um Vorschläge und Änderungswünsche einbringen zu können.
  • Der Chef bittet seine Mitarbeiter, die Auszubildenden mehr in die Entscheidungsprozesse einzubeziehen und regelmäßig Feedback zu geben.
  • Gemeinsam mit den Auszubildenden wird ein einseitiger Feedbackbogen entwickelt der regelmäßig von den Auszubildenden und dem Ausbilder ausgefüllt und besprochen wird.
  • Auf der Unternehmenshomepage erscheint ein kurzer Artikel der Auszubildenden über die Vorteile beim Unternehmen zu lernen.
  • In den Stellenausschreibungen werden die Arbeitgebereigenschaften „familienfreundlich" und „offen für neue Ideen" betont.

 

Fall B:
In den letzten fünf Jahren haben immer mehr Mitarbeiter gekündigt, und es fällt dem Unternehmer schwer neue Fachkräfte zu finden. Der Arbeitgeber sucht das Gespräch mit seinen Mitarbeitern. Diese beklagen, dass die Konkurrenz mehr Lohn zahlt. Außerdem macht es die starre Arbeitszeitregelung mit einer 40-Stune-Woche schwierig Beruf und Freizeit zu vereinbaren. Die Mitarbeiter wünschen sich mehr Flexibilität. Ferner sei der Aufenthaltsraum sehr dreckig und wenig einladend. Der Arbeitgeber setzt folgende Maßnahmen um:

  • Einen monatlich höheren Lohn kann der Arbeitgeber aufgrund der schwankenden Auftragslage des Betriebs nicht zahlen. Dennoch teilt er seinen Mitarbeitern schriftlich mit, dass diese bei Erreichung eines bestimmten Gewinns am Ende des Jahres eine Einmalzahlung erhalten.
  • Die starre Arbeitszeitregelung wird abgeschafft. Es wird ein flexibles Modell entwickelt in dem die Mitarbeiter Überstunden aufbauen und bei Bedarf den Betrieb auch mal früher verlassen können.
  • Der Aufenthaltsraum wird renoviert und mit einer neuen Kaffeemaschine, welche die Mitarbeiter kostenlos nutzen können, ausgestattet.
  • Auf der Unternehmenshomepage werden Bilder der neuen Räumlichkeit mit einem kurzen Artikel veröffentlicht.

 

Ziel bei der Entwicklung der Maßnahmen sollte sein, dass Sie einen Mix aus verschiedenen Stärken aller vier Bausteine Ihren Mitarbeitern und Bewerbern anbieten können. Ebenfalls wichtig ist: „Tuen Sie Gutes und sprechen Sie darüber". Werben Sie aktiv mit Ihren Stärken auf Ihrer Homepage, in Stellenanzeigen und bei Ihren Kunden.
Werben Sie allerdings nie mit Qualitäten, die Sie nicht auch tatsächlich anbieten können. Die mühsam angeheuerten Talente springen Ihnen dann schnell wieder ab, Wissensträger verlassen das Unternehmen, Bewerber mit Potenzial bleiben aus.

Bei der Steigerung der Arbeitgeberattraktivität handelt es sich um einen fortlaufenden Prozess. Kontrollieren Sie daher regelmäßig Ihre Maßnahmen und führen Sie die drei dargestellten Schritte aus. Es wird empfohlen, dass Sie Ihre Mitarbeiter permanent mit einbinden Dies ermöglicht Ihnen Zugang zu neuen Sichtweisen und die Mitarbeiter treten in der Öffentlichkeit als Multiplikatoren auf.

 

Auf dem Weg zu einem attraktiven Arbeitgeber begleiten Sie die Personalberaterinnen der Handwerkskammern sehr gerne. Dafür werden in einem Erstgespräch gemeinsam mit Ihnen die Stärken, Schwächen und die Zielgruppe festgelegt und anschließend die, für Ihren Betrieb passenden Maßnahmen entwickelt.
Werden Sie aktiv und profitieren Sie von der individuellen, kostenlosen Beratung durch unsere Experten.

Das Projekt „Dialog und Perspektive Handwerk 2025" wird durch das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg finanziell gefördert.

 

 

Quelle: Handwerkskammer Reutlingen
Autorin: Mona Werz

 

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