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Wissens-ABC

Wenn man sein eigenes Unternehmen gründet, ist Geld vor allem in der Anfangszeit erst einmal knapp und man kann sich noch kein großes Marketingbudget leisten. Da sind Kreativität und Ideenreichtum gefragt.

 

Wie viel Budget ist ausreichend?

Ein Patentrezept gibt es nicht. Umfang und Ausmaß der Marketingaktivitäten sind abhängig von Branche, Zielgruppe und Marktumfeld. Ganz ohne finanziellen Input geht es aber nicht – einige Basics sollten umgesetzt werden. Als grobe Richtschnur kann ein Budget von 3 bis 5% des Umsatzes gelten. Laut einer GFK-Studie von 2013 geben kleine Unternehmen bis 10 Mitarbeiter durchschnittlich 5.581 Euro für Werbung aus.
Wichtig ist, dass die Marketingaktivitäten strategisch und zielgruppengerecht gestaltet werden. Es gilt das Motto: „Der Köder muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler." Regelmäßige Aktionen bringen auf Dauer mehr als Einzelmaßnahmen.

 

Die Basics zu Beginn

 

  • Einprägsamer Name

Wie soll Ihr Unternehmen heißen? Eine gelungene Unternehmensbezeichnung ist kurz und einprägsam, sie sollte sich gut von anderen unterscheiden lassen, leicht auszuspre-chen sein und positive Gefühle wecken. Natürlich muss der Unternehmensname auch zu Ihnen und Ihrer Zielgruppe passen. Aber Vorsicht: Nicht alles was gefällt ist auch erlaubt. Beachten Sie bei der Namensfindung die Vorschriften zur Firmierung und klären Sie die Nutzungsmöglichkeit rechtzeitig ab. Die Rechtsabteilung Ihrer Handwerkskammer ist Ihnen dabei gerne behilflich.

 

  • Aussagekräftiges Logo

Das Logo ist zentraler Bestandteil Ihrer Unternehmenskommunikation und das Erste, was der Kunde mit Ihnen verbindet. Lassen Sie Ihr Logo deshalb unbedingt von Profis erstellen und sparen Sie nicht am falschen Ende. Die Investition lohnt sich. Ein Logo soll zeitlos sein, das Unternehmen von anderen abheben, einen hohen Wiedererkennungseffekt haben und zu Ihrer Unternehmensphilosophie passen. Idealerweise verbindet ein Logo Wort und Bild miteinander. Finger weg von Sonderfarben – das wird teuer – und einfarbig muss nicht unbedingt langweilig sein.

 

  • Eigene Webseite

Ein eigener Internetauftritt ist heute ein absolutes Muss. Ein Unternehmen, das keinen Online-Auftritt hat, „existiert" im Geschäftsleben nicht. Auch wer nicht im Web einkaufen will, informiert sich heutzutage erst einmal im Internet über das Angebot und die mögli-chen Anbieter.
Diese Informationen sollte Ihr Internetauftritt mindestens bieten: Informationen zum Un-ternehmen und zum Team, Darstellung der Produkte, Angebote und Leistungen, Hinweise wo man Sie findet und welche Öffnungszeiten Sie haben und zum Schluss noch die Möglichkeit, Kontakt zu Ihnen aufnehmen zu können. Vergessen Sie auch das Impres-sum nicht. Es ist gesetzlich vorgeschrieben.
Achten Sie darauf, dass Ihr Internet-Auftritt im Zeitalter von Tablet und Smartphone „mo-bile response fähig" ist und kurze Ladezeiten hat. Über die gängigsten Suchmaschinen sollte man Sie gut auffinden können.
Falls Sie sich aus Kostengründen zu Beginn erst einmal selbst ans Werk machen wollen – über www.homepage-baukasten-vergleich.de/ finden Sie aktuelle Tests und Vergleiche der gängigsten Anbieter von Homepage-Baukästen.

 

  • Google MyBusiness

Viele Kunden und Interessenten nutzen Google als Suchmaschine im Internet. Der Ser-vice Google MyBusiness ist daher ein interessantes Marketingtool. Ursprünglich gestartet als einfache Landkarte (Maps), auf der Unternehmen im Umkreis verzeichnet waren, und weiterentwickelt zu Google Places, hat sich MyBusiness zu einem ausgefeilten System aus Branchenverzeichnis, Landkarte und Google-Bewertungen entwickelt. Unternehmer können hier alle relevanten Informationen zu ihrem Betrieb hinterlegen, mit dem Ergebnis, dass ihren Kunden die Kontaktaufnahme so einfach wie möglich gemacht wird.

 

 

Ideen für Low Budget Marketing

 

  • Unternehmensblog

Für Unternehmen bietet sich durch die Möglichkeit des Bloggens die Chance, direkt mit den Kunden zu kommunizieren und neue Kunden hinzuzugewinnen. Werbung zu machen ist allerdings verpönt. Wichtig sind Inhalte und eine interessante Themenauswahl.
Ein eigener Blog ist relativ schnell eingerichtet. Es gibt zahlreiche Blog-Hosting-Anbieter und die meisten von ihnen sind kostenlos. Angesichts der Vielzahl an Angeboten sollte man aber einige Zeit investieren und sich schlau machen, welcher Anbieter für die eige-nen Ziele am besten geeignet ist. Es ist auf jeden Fall von Vorteil, sich einen Blog-Hoster mit einer großen Community zu suchen. Denn dieser wird auch in ein einigen Jahren noch am Markt sein. Außerdem bringen viele Nutzen den Anbieter dazu, regelmäßige In-novationen, gute Services und viel Unterstützung in den Foren anzubieten.

Aber: Bloggen ist zeitaufwändig und erfordert neben einem guten Schreibstil auch einen langen Atem. Schließlich müssen Sie dauerhaft gute Inhalte liefern. Außerdem ist ein Blog kein Selbstläufer. Er benötigt eine aktive Vermarktung, um erfolgreich zu werden. Dazu gehören u.a. die Positionierung in den Suchmaschinen und Marketing in den sozialen Netzwerken.

 

  • Soziale Netzwerke

Die große Verbreitung und Beliebtheit von Social Media kommt Ihnen dann zu Gute, wenn Sie die neuen Kommunikationskanäle im Internet richtig nutzen. Als reine Ver-kaufsplattform funktionieren Soziale Netzwerke kaum. Stattdessen dienen sie in erster Linie dazu, eine eher menschliche sowie persönliche Ebene zu zeigen und damit im Netz Vertrauen zu schaffen. Eine Fanseite auf Facebook oder eine Unternehmensseite auf Google+ muss regelmäßig gepflegt und darf nicht vernachlässigt werden. Sie hält sich nicht an Öffnungszeiten. Deswegen sollten Sie sich jeden Tag möglichst mehrmals ein-loggen und stets schnell reagieren.
Damit der Start in das Social-Media-Marketing gelingt, müssen Sie sich überlegen, wen sie mit ihrer Fanseite ansprechen wollen. Davon hängen die Ziele und die Themen und Inhalte der Seite ab. Auftritte auf Google+ oder Facebook sollten immer einen gewissen Mehrwert für die Fans bieten – quasi einen Anreiz, um langfristig verbunden bleiben zu wollen und auf „Gefällt mir" zu klicken. Dies kann zum Beispiel über Hintergrundinforma-tionen, Gewinnspiele, Fotos, Rabattaktionen und vieles mehr gelingen. Nur so bleiben die User langfristig einer Seite treu und können zu Kunden gemacht werden.

 

  • Außenwerbung machen

Außenwerbung ist interessant, denn man kann sie nicht wegklicken oder ausblenden. Sie ist überall präsent und findet sich quasi an jeder Ecke. Nutzen Sie also Ihren Fuhrpark, Ihre Geschäftsräume oder auch Gerüstsegel und Werbetafeln als kostengünstige Mög-lichkeit, im öffentlichen Raum auf sich aufmerksam zu machen.
Das Firmenfahrzeug als „rollendes Werbemobil"
Neben einer originellen und authentischen Fahrzeugbeschriftung kann die Wahl des Fahrzeugmodells zusätzliche Aufmerksamkeit erzielen und Sympathie bei der Zielgruppe wecken. Parken Sie Ihr Fahrzeug oder einen Anhänger mit Plane an besonders auffälli-gen Orten. Zum Beispiel an Einfallrouten oder auf Brücken über stark befahrenen Stra-ßen, bei Veranstaltungen in der Nähe des Eingangs oder im Zufahrtsbereich und am Wochenende an einem gut frequentieren Ausflugsziel mit Parkplatz. Wer flexibel sein will, kann statt einer Klebefolie am Fahrzeug auch Magnettafeln verwenden. Diese lassen sich jederzeit abnehmen oder an einem anderen Fahrzeug anbringen. Außerdem kann die bestehende Fahrzeugwerbung mit Magnettafeln um zusätzliche oder wechselnde Botschaften ergänzt werden. Transparente Kunststoffbehälter sind bei Bedarf schnell am Fahrzeug eingehängt und können Flyer oder Infobroschüren wettergeschützt aufnehmen.

 

  • Veranstaltungen besuchen, an Wettbewerben teilnehmen

Kommen Sie mit anderen Menschen in Kontakt. Gründerveranstaltungen, Wettbewerbe, Vorträge zu aktuellen Themen sind ein guter Rahmen, um sehen und gesehen zu werden, sich zu präsentieren und mit Multiplikatoren, potenziellen Geschäftspartnern und Kunden ins Gespräch zu kommen. Üben Sie sich in der Kunst des gekonnten Small Talks und verteilen Sie nach Möglichkeit dabei Visitenkarten, witzig aufgemachte Postkarten oder Flyer und Warenproben.
Trauen Sie sich ruhig und beteiligen Sie sich an regionalen und überregionalen Grün-derwettbewerben. Den Finalisten winken neben Sach- oder Geldprämien häufig auch jede Menge Medienaufmerksamkeit und positive Publicity.

 

  • Guerilla Marketing

Unter Guerilla Marketing versteht man Marketing-Aktionen, die von der Kreativität und dem Außergewöhnlichen leben. Hier geht es nicht darum viel Geld in die Hand zu neh-men und im klassischen Sinne zu Werben. Stattdessen sorgt man mit ausgefallenen Ideen und frechen Aktionen für Aufmerksamkeit. Dazu sendet man an ganz ungewöhnli-chen Orten ungewöhnliche Signale aus, oder verändert Alltagsgegenstände auf witzige Art und Weise. Ein Optiker in Wertheim verhüllte vor einiger Zeit sein Gebäude mit wei-ßen Laken im Christo-Stil mit dem Slogan: "Wenn Sie mein Geschäft nicht sehen, brau-chen Sie bestimmt eine neue Brille." Oder Sie machen es wie der Bäcker, der sich mit ei-nem Planschbecken auf den Wochenmarkt setzte und Passanten Gutscheine angeln ließ. Das Internet oder auch Ihr Freundes- und Bekanntenkreis liefert mit Sicherheit viele Anregungen und Ideen.

 

  • Weiterempfehlungen und Referenzkunden

Mundpropaganda und zufriedene Kunden, die sich positiv über das Unternehmen und sein Angebot äußern, sind das Beste, was Ihnen als junges Unternehmen passieren kann. Denn die Wahrscheinlichkeit, dass Menschen von Mundpropaganda beeinflusst werden, liegt um 50% höher als bei klassischer Werbung.
Helfen Sie also nach und verteilen Sie Weiterempfehlungskarten. Versprechen Sie jedem Ihrer Kunden, ein kleines Präsent, wenn er einen neuen Kunden wirbt. Präsentieren Sie positive Kundenstimmen oder Referenzobjekte auf Ihrer Webseite, idealerweise noch mit einem Bild. Achten sie auch darauf, dass Ihre Kunden Sie und Ihre Leistung auf den gängigsten Bewertungsportalen positiv bewerten. Noch eine Idee: Bringen Sie zufriedende Kunden mit noch unentschlossenen (Neu-)kunden zusammen und veranstalten Sie regelmäßige Kundenevents. Eventuell können Sie sogar mit Unternehmen aus anderen Branchen kooperieren. Die Kunden einer Weinhandlung können auch für den Küchen-bauer sehr interessant sein und umgekehrt.

 

  • Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Presseberichte über Ihr Unternehmen sind die preiswerteste und effektivste Werbung, die Sie machen können. Als junges Unternehmen haben Sie die erste Story bereits parat: die Ihrer Existenzgründung.
Pressearbeit ist ein kontinuierlicher Prozess und beruht auf einer persönlichen Beziehung zum Journalisten. Liefern Sie der Presse interessante Meldungen und attraktives Bildmaterial und geben Sie bei Rückfragen kompetent und schnell Auskunft. Wer sich das Schreiben selbst nicht zutraut: Für professionelle Texte und interessante Aufmacher können Sie mit einer PR-Agentur oder freiberuflichen Journalisten zusammenarbeiten. Die regionale Presse ist in der Regel für interessante Stories und Themen offen. Auch ein Artikel in einer Fachzeitschrift, in dem Sie Ihr Expertenwissen präsentieren können, sorgt für positive Publicity.

 

  • Anzeigenwerbung

Bei der Anzeige handelt es sich um das klassische Werbemittel schlechthin. Aber die Wirkung ist umstritten und sie ist teuer. Damit sie überhaupt wahrgenommen wird, muss man sie perfekt gestalten und gut platzieren. Außerdem müssen Anzeigen regelmäßig geschaltet werden, damit sie einen positiven Effekt haben.
Viele Gründer nutzen bewusst die kostengünstigeren Gemeinde- und Amtsblätter, die als ideale Werbeträger dienen, um die regionalen Kunden und Bürger eines Ortes zu errei-chen. Auch Stadtmagazine, Schüler- und Studentenzeitungen oder die Szenepresse können interessante Alternativen zur teuren Tageszeitung oder der Fachpresse darstellen. Eventuell kann auch eine Anzeige im Theaterprogramm für Sie das Richtige sein.
Noch ein Tipp: Machen Sie statt einer großen teuren Anzeige mit dem gleichen Budget lieber mehrere kleine. Bündeln Sie ihre Werbung und starten Sie eine zeitlich begrenzte Kampagne, das sorgt für mehr Aufmerksamkeit als unregelmäßig geschaltete Inserate.

 

  • Direktwerbung

Machen Sie sich Gedanken darüber, wie Sie direkt an Kunden herantreten können. Dies kann ein Direktmailing mit einem speziellen Angebot sein, das Sie an ihre eigenen Kunden oder potenzielle Neukunden schicken. Adressen hierfür kann man kaufen, wenn man noch keine eigene Kundendatenbank besitzt.
Gezielter können Sie werben, wenn Sie eine „Postwurfsendung" vorbereiten und entwe-der selbst oder von Schülern oder Studenten an Haushalte in einer bestimmten Gegend oder einem ausgewählten Wohngebiet verteilen lassen. In einer Siedlung aus den 80er Jahren können Sie so zum Beispiel mit einem konkreten Angebot zur Fassadenrenovie-rung werben. Achten Sie darauf, dass Sie immer einige solcher „Postwurfsendungen" bei sich haben, wenn Sie unterwegs sind. So können Sie schnell mal Werbung zwischen-durch machen und an geeigneter Stelle einwerfen. Mehr Aufmerksamkeit erzielen Sie, wenn Sie die Sendung noch um ein witziges Detail ergänzen, wie beispielsweise eine Warenprobe oder eine kleine Aufmerksamkeit.

Die Liste der Maßnahmen lässt sich noch beliebig fortsetzten. Die oben aufgeführten Tipps und Empfehlungen sollen als Anregung für eigene Ideen und Marketingansätze dienen. Pa-tentrezepte gibt es nicht. Ob eine der vorgeschlagenen Maßnahmen für Sie und Ihr Unter-nehmen die richtige ist, hängt von Ihrer Branche, Ihrer Zielgruppe, Ihrem Marktumfeld und ganz besonders auch von Ihnen selbst ab.
Ein geringes Marketingbudget zu haben muss kein Nachteil sein. Es zwingt Sie dazu, ihre Kräfte zu bündeln, kreativ zu sein und neue Wege im Marketing zu gehen. Viel Erfolg dabei!

 

Text: Sylvia Weinhold, Handwerkskammer Reutlingen

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