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Energieeffizienz im Alltag und Handwerk: Tipps und Vergleiche

Wissens-ABC

 

Energieeffizienz im Alltag und Handwerk: Tipps und Vergleiche

Neues Jahr, neue Vorsätze, mehr Sport. Und was hat das mit Energie zu tun? Erst letzten Winter ging es ums Gas und Strom sparen und um spürbare Preissteigerungen. Inzwischen gelten auch striktere Regeln für den Einbau neuer Heizungen. Wir wollen uns dem Thema von einer anderen Seite nähern.  Angefangen mit einem Verständnis für Energie, über Energieverbräuche im Wohnbereich kommen wir zu Einsparpotentialen im Handwerksbetrieb.Was ist eigentlich eine Kilowattstunde (kWh)? Genauso wie 100cm 1m sind, entsprechen 1000 Watt (W) genau einem Kilowatt (kW). Verknüpft mit dem Faktor Zeit wird daraus eine Kilowattstunde (kWh). Läuft ein Gerät, z.B. ein Haartrockner, mit einer Leistungsaufnahme von 1000W bzw. 1kW, so hat er innerhalb dieser Stunde 1kWh Strom verbraucht. Der Energieträger ist in diesem Fall Strom.

Für einen Hobby Sportler sind 200W Durchschnittsleistung über eine Radtour hinweg schon ein guter Wert. Marcel Kittel, ein ehemaliger Profi-Radsportler und mehrfacher Etappensieger bei der Tour de France, brachte eine Leistung von 1900 Watt bzw. 1,9 kW auf die Pedale. Diese Leistung konnte er jedoch lediglich über einige Sekunden durchhalten. Über eine ganze Tour de Franc Etappe (ca. 4 Stunden) leisten die Fahrer durchschnittlich 250W. An kurzen Anstiegen können schon mal kurzzeitig 400 Watt erforderlich werden. Eine Tagesleistung von 1000Wh bzw. 1kWh ist dabei Durchschnitt. Würde man diese 1kWh der Steckdose entnehmen, so muss man aktuell rund 35 Cent bezahlen. Übrigens könnte Marcel Kittel mit seinem Rekordwert Ihren Haartrockner oder Staubsauger lediglich für wenige Sekunden betreiben, bevor ihm die Puste ausgehen würde.
Die eingangs genannten 200 Watt, welche auch Hobbysportler für einige Stunden schaffen können, entsprechen grob der Anschlussleistung eines Kühlschrankes. Diese 200W Strom benötigt der Kühlschrank jedoch nicht über 24 Stunden am Tag, sondern lediglich wenn er läuft. Ob ein Kühlschrank läuft kann man je nach Modell für 10-15 Minuten in der Stunde am leisen Brummen hören. Nur in dieser Zeit benötigt der Kühlschrank die genannte Energie.

Aber was kann man denn nun effektiv tun, um den Energieverbrauch spürbar zu reduzieren. Dazu sollte man einen Überblick über die unterschiedlichen Energieträger haben und wissen wo und was am meisten verbraucht wird. Wir kennen Strom, Gas, Heizöl, Benzin und Diesel als gängige Energieträger. Die Preise dafür sind sehr unterschiedlich. Daher lohnt sich ein Blick auf die Kosten je kWh.

  • Erdgas  1kWh entspricht ungefähr 0,1 Kubikmeter (m³) und kostet ca. 0,1€
  • Heizöl   1kWh entspricht ungefähr 0,1Liter und kostet ca. 0,1€
  • Diesel    1kWh entspricht ungefähr 0,1Liter und kostet ca. 0,17€
  • Benzin   1kWh entspricht ungefähr 0,11Liter und kostet ca. 0,18€
  • Strom    1kWh kostet aktuell ca. 0,35€

Der Preisvergleich unter den Energieträgern zeigt die Unterschiede deutlich. Eine Kilowattstunde Energie kostet abhängig vom Energieträger zwischen 10 und 35 Cent.  Wichtig ist auch die Gesamtmenge an verbrauchter Energie. Wo viel verbraucht wird ist meist auch viel Einsparpotential.
Ein Haushalt in Deutschland verbraucht laut Statistischem Bundesamt im Jahr 2020 gut 17500 kWh Energie. Besonders zu beachten ist dabei die Verteilung in folgender Grafik.

 

Auch wenn der Ersatz einer herkömmlichen Glühlampe durch eine LED- „Birne“ den Energiebedarf um 80-90% reduziert, spürt man diese Einsparung erst wenn alle Glühbirnen im Haushalt ersetzt wurden. Bitte auch an die Gartenbeleuchtung, die Hausnummernbeleuchtung und die Leuchtmittel in Kühlschrank, Backofen sofern möglich und in der Dunstabzugshaube denken. Nicht nur für die gängige E27 Fassung, sondern auch für Deckenspots gibt es LED-Ersatz für annähernd alle erdenklichen Lampenfassungen.

Die Grafik zeigt deutlich, dass mit Abstand am meisten Energie in Form von Wärme verbraucht wird. Das Einsparpotential ist hier also besonders hoch. Unabhängig von neuen Gesetzen und bestehenden Verpflichtungen lässt sich hier viel tun. Obwohl gesetzlich vorgeschrieben, jedoch von außen unsichtbar und daher oft vernachlässigt, lohnt sich besonders im Altbau ein Blick auf die Kellerdecke und die oberste Geschossdecke. Die Dämmung der obersten Geschossdecke oder der Kellerdecke ist meist mit überschaubarem Aufwand möglich und hat einen spürbaren Effekt auf die Energiekosten. Für alle die bis hier gelesen haben sind sicher auch Onlinetools zur Berechnung interessant. Ohne das Produkt alleine zu empfehlen, online gibt es sicher weitere gleichwertige Produkte zu finden, kann man mit einem U-Wert Rechner (https://www.ubakus.de/u-wert-rechner/) selbst den Effekt von Dämmmaßnahmen berechnen und sieht zugleich ob man damit die gesetzlichen Vorgaben einhält.

In Handwerksbetrieben sind neben den genannten Aspekten weitere Bereiche zu beachten. In vielen Gewerken wird mit Druckluft gearbeitet. Druckluft gilt als einer der teuersten Energieträger. Sie Kosten für das Erzeugen von 1m³ Druckluft (7 bar) variieren je nach Art und Größe des Drucklufterzeugers. Als Faustformel kann bei Schraubenkompressoren die Faustformel von 0,2kWh Strom je Kubikmeter Druckluft (bei 7 bar) angenommen werden. Ein üblicher Druckluftschlagschrauber, welcher in Autowerkstätten zum Reifenwechsel eingesetzt wird, kann mit 1m³ Druckluft knapp 10 Minuten betrieben werden.

Leckagen im Druckluft-Netz gibt es in fast jeder Werkstatt die Druckluft einsetzt. Leckagen tauchen meist an Kupplungen auf und sind durch den einfachen Austausch der Kupplung schnell behoben. Ein monatlicher Rundgang zum Aufspüren von undichten Stellen lohnt sich immer. Wer dauerhaft weniger Druckluft verbrauchen möchte sollte prüfen, ob er Druckluftgeräte durch Elektrogeräte ersetzen kann. Bei größeren Maschinen oder Anlagen kann geprüft werden ob Pneumatikzylinder durch elektronische Elemente wie Linearmotoren ersetzt werden können.  Das Einsparpotential beim Ersatz von Pneumatik zu Elektronik ist ähnlich hoch wie beim Ersatz von Glühbirnen durch LED-Leuchtmittel. Nicht nur die die Anschaffungskosten einer Maschine sind relevant. Oft werden die Energiekosten im Verlauf der Gesamtnutzungsdauer der Maschine nicht beachtet und unterschätzt. Beim Kauf sollte also auch auf die verbauten Elemente und den damit einhergehenden Energieverbrauch geachtet werden.
Weiteres Einsparpotential bei Maschinen besteht in der Verkürzung oder sogar dem kompletten Streichen von Warmlaufphasen. Ein Test lohnt sich, ob die Maschine ohne oder mit kürzerer Warmlaufphase nicht doch ausreichend genaue Ergebnisse liefert. Fassen Sie Produktionszeiten möglichst zusammen um die Anzahl von Maschinenstarts zu reduzieren. Anlaufzeiten sind unproduktiv und bieten somit Einsparpotential.

Unabhängig von der Menge an Energie spielt bei hohen Stromverbräuchen über 100.000kWh auch die maximal abgerufene Leistung eine Rolle. Schalten Sie mehrere Maschinen also möglichst nicht gleichzeitig ein, sondern starten Sie eine Maschine nach der anderen um Energiespitzen zu reduzieren.  

Text: Handwerkskammer Reutlingen (Stand: Januar 2024)

 

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