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Online-Marketing im Handwerk: Fünf Tipps für Ihren Betrieb

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Gründungswissen

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Was früher die Postwurfsendung und die Gelben Seiten waren, findet heute im Internet statt. Auch kleine Betriebe sollten sich dringend mit digitalen Medien beschäftigen, um gefunden zu werden. Tipps, wie der Einstieg ins Online-Marketing gelingen kann, gibt Uli Korn, Geschäftsführer der twist Uli Korn Marketing GmbH in Bietigheim-Bissingen im Gespräch mit der Deutschen Handwerks Zeitung.

 

Die Nähe zum Kunden ist ein Merkmal der „Wirtschaftsmacht von nebenan". Warum sollten Handwerksbetriebe online werben?

Selbst bei einer „warmen" persönlichen Empfehlung für den Betrieb wird der Interessent mutmaßlich zunächst einmal die Webseite des Anbieters anschauen: Deckt sich das mit dieser Beschreibung? Welche Referenzen weist der Handwerker auf? Gefällt mir, was er macht?
Eine Webseite hat im Vergleich zu anderen Werbeträgern und Werbemitteln ein extrem gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Einmal mit einem modernen technischen Unterbau eingerichtet, gestaltet sich auch die Pflege der Webseiten einfach und unaufwändig. Zudem ersetzen Webseiten für die meisten von uns die Gelben Seiten – daher ist eine Webseite ein „Muss" für alle seriösen Unternehmen. Die 24-Stunden-Erreichbarkeit von überall aus ist ein weiteres Argument für Online-Aktivitäten.

Was sind die wichtigsten digitalen Werkzeuge?

Die „zentrale Anlaufstelle" für das gesamte digitale Marketing ist eine top Webseite. Top bedeutet: ein ansprechendes Design, umfangreiche Texte (Key Words), hochwertige Bilder, aktuell gepflegt und programmiertechnisch sauber erstellt.
Ansonsten ist eine pauschale Empfehlung nicht seriös. Zum Beispiel kann ein Facebook-Auftritt für eine Bäckerei oder eine Metzgerei das beste Tool sein: Tagesangebote, Veranstaltungswerbung, Gewinnspiele, Mitarbeiterauszeichnung etc. Für Hersteller von z. B. Kuckucksuhren oder individualisierter Schokolade ist – je nach Vertriebsstruktur und Vertriebskonzept – hingegen ein Online-Shop von großem Interesse. Instagram oder Pinterest könnten für ein Nagelstudio oder einen Friseur die idealen Plattformen sein. Ein weiteres effizientes digitales Werkzeug ist das E-Mail-Marketing: Mit geringem Aufwand kann hier Kundenpflege und Kundenaktivierung betrieben werden, z. B. mit einem interessanten E-Mail-Newsletter.

Wie läuft der Einstieg ins Online-Marketing ab?

Setzen Sie sich zunächst klare Ziele, was Sie „online" erreichen möchten: Bestandskundenpflege, Darstellung der eigenen Leistungsfähigkeit, Imageverbesserung, Neukundengewinnung usw. Denn davon ist elementar abhängig, wen Sie erreichen möchten und welche Botschaften Sie transportieren sollten. Erstellen Sie dann eine Webseite oder bringen Sie Ihre bestehende Webseite programmiertechnisch, grafisch und inhaltlich auf Vordermann. Die Stichworte hierbei sind: Suchmaschinenoptimierung, Responsive Webdesign, d. h. die flexible Anpassung an alle Ausgabemedien. Zudem sollten die Webseiten den https-Standard aufweisen. Dieser sichert eine verschlüsselte und damit deutlich sicherere Übertragung von Daten.

Was die Inhalte betrifft: Menschen mögen andere Menschen, deren Geschichten sowie Bilder und Videos. Sie sollten daher entsprechende Inhalte generieren bzw. bereitstellen. Denken Sie auch daran, immer wieder neue Informationen bereitzustellen. Alte Webseiten interessieren wirklich niemanden – und am wenigsten die Suchmaschinen. Lassen Sie sich am besten von Fachleuten beraten und unterstützen!

Was kann ein Betrieb tun, damit sein Angebot nicht übersehen wird?

Im Marketing sprechen wir hier von Positionierung und Differenzierung – dies ist selbstverständlich auch die Basis für Onlinemedien. Konkret geht es darum, zunächst einmal das eigene Versprechen klar zu definieren: Was genau machen Sie? Warum genau Sie? Was machen Sie besser als andere? Welchen Nutzen haben Ihre Kunden? Diese Fragen gilt es zu beantworten – und in wenigen Sätzen überzeugend zu formulieren. Zudem sollten Sie sich klar von anderen Betrieben unterscheiden: Was an Ihrem Betrieb ist im wahrsten Wortsinne merk-würdig? Sind Sie der Anbieter mit der besten Qualität? Haben Sie die größte Kundennähe oder den besten Service? Bieten Sie die größte Auswahl? Je besser es Ihnen gelingt, Ihr Unternehmen zu differenzieren, desto leichter gestaltet sich Ihr Marktzugang.

Die Positionierung und Differenzierung muss dann in klare Markensymbole und -Aussagen münden, die sich plakativ und verständlich auf den Webseiten und anderen digitalen Medien wiederfinden sollten. Und – jetzt komme ich wieder zu einem ganz wichtigen Aspekt für erfolgreiche Webseiten zurück – die eigene Webpräsenz muss mit geeigneten Maßnahmen für Suchmaschinen „sichtbar" gemacht werden. Um sehr schnell bei den Suchmaschinentreffern nach vorne zu gelangen, ist Google AdWords empfehlenswert. Hier erscheint dann Ihre Webseite bei den von Ihnen vorgegebenen Begriffen ganz oben bei den Werbeseiten. Sie bezahlen dann für jeden Klick. Bitte beachten Sie, dass Sie hier mindestens 300 EUR, eher 500 EUR pro Monat investieren sollten, um eine relevante Zahl von Interessenten auf Ihre Seite zu ziehen.

Welche Rolle nehmen Soziale Medien für einen Schreinerbetrieb ein?

Schreiner haben den Vorteil, dass sie Produkte herstellen, die in aller Regel schön anzuschauen sind. Daher sollte zunächst einmal sichergestellt werden, dass diese auch in guter Qualität fotografiert werden. Entweder vor der Auslieferung oder nach der Montage. Eine gute Idee ist es abzuklären, ob diese Fotos auch für das Internet verwendet werden dürfen. Nicht jeder Yachtbesitzer ist damit einverstanden, dass sein Bootsmobiliar später überall online zu sehen ist.

Steht Ihnen von neuen Projekten gutes Bildmaterial zur Verfügung, bietet es sich zunächst einmal an, dieses auf der eigenen Webseite einzubinden. Darüber hinaus sind Facebook, Instagram und Pinterest bestens geeignet, attraktive Produktfotografien zu präsentieren. Sollte der Schreinerbetrieb Spaß an den Onlinemedien gefunden haben, könnte der nächste Schritt sein, den Planungs- und Fertigungsprozess immer wieder auch mit bewegten Bildern festzuhalten. So kann nach Abschluss der Arbeiten ein „Making-of-Video" zusammengestellt werden, das in den genannten Plattformen und zudem bei Youtube hochgeladen wird.

 Quelle: Handwerkskammer Reutlingen

 

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