Azubi- und Fachkräftegewinnung im Handwerk
Thema des Monats
In Baden-Württemberg fehlen derzeit rund 18.000 Fachkräfte im Handwerk. Und rund 20.000 Betriebe stehen in den kommenden Jahren zur Übernahme bereit.
Der Fachkräftemangel ist eine der größten Herausforderungen für das Handwerk. Und der demografische Wandel verstärkt diesen Engpass zusätzlich. Die Zahl der Schulabgänger sinkt, während immer mehr erfahrene Fachkräfte in den Ruhestand treten. Die anhaltende Präferenz für akademische Laufbahnen trägt ebenfalls zum Rückgang des Handwerkernachwuchses bei. Für Betriebe bedeutet dies eine zunehmend schwierigere Rekrutierungssituation. Strategische Maßnahmen zur Personalgewinnung sind daher unerlässlich.
In diesem Beitrag erfahren Sie, wie Sie mit Ausbildung, Qualifizierung, moderner Bewerberansparache und der Adressierung spezieller Zielgruppen im Recruiting Erfolg haben können.
1. Duale Ausbildung und flexible Qualifizierung im Handwerk
Die Vielfalt der 130 Ausbildungsberufe im Handwerk und die damit verbundene duale Berufsbildung bilden das Rückgrat der Fachkräftesicherung im Handwerk. Sie verbindet praktische Arbeit im Betrieb mit theoretischem Unterricht in der Berufsschule.
Auch Personen, die keinen beziehungsweise keinen verwertbaren beruflichen Abschluss haben (sogenannte Geringqualifizierte), können über flexible Qualifizierungswege im Handwerk in den Arbeitsmarkt integriert werden. Neben dem Königsweg der dualen Erstausbildung sind hier berufsabschlussorientierte Teilqualifizierungen, Umschulungen und Anpassungsqualifizierungen flexible Instrumente der beruflichen Weiterbildung. Details erfahren Sie durch die Beratung Ihrer Handwerkskammer.
Betriebe sollten sich aktiv für die Stärkung der beruflichen Bildung einsetzen. Die Förderung der Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung ist hierbei wichtig. Dies sichert langfristig den Nachschub an qualifizierten Fachkräften.
2. Duale Studiengänge: attraktive Karriereperspektiven für Studienberechtigte
Duale Studiengänge sind ein geeignetes Instrument, um mehr jungen Menschen mit Studienberechtigung attraktive Karriereperspektiven im Handwerk zu bieten und gleichzeitig wissenschaftliches und berufliches Lernen gezielt dort miteinander zu verknüpfen, wo verschiedene Gewerke davon profitieren können. Das ausbildungsintegrierende duale Studium ist sowohl für Arbeitgeber und Ausbilder als auch für ausbildungsinteressierte, leistungsstarke und -bereite Jugendliche attraktiv. Im Handwerk gibt es vielfältige Möglichkeiten und Angebote für dieses Bildungsformat.
3. Moderne Wege der Azubi- und Fachkräfteansprache im Handwerk
Um junge Talente zu erreichen, sind moderne Recruiting-Strategien entscheidend. Viele Handwerksbetriebe verlassen sich noch immer ausschließlich auf klassische Stellenanzeigen oder Mundpropaganda. Doch potenzielle Bewerbende informieren sich heute online.
Eine ansprechende Webseite, gepflegte Social-Media-Kanäle, klare Darstellung der Vorteile für Arbeitnehmer und authentische Einblicke in den Arbeitsalltag sind entscheidend. Wer zeigt, was den Betrieb besonders macht, hebt sich von Mitbewerbern ab.
Neben der digitalen Ansprache bleiben traditionelle Maßnahmen wirksam. Dazu gehören Schulkooperationen, Praktika und Mitarbeiterempfehlungen. Empfehlungen von Mitarbeitenden führen oft zu qualitativ hochwertigen Bewerbungen. Sie sind zudem mit geringem Aufwand verbunden. Eine Kombination dieser Kanäle erhöht die Erfolgschancen bei der Personalgewinnung.
4. Fachkräfte im Handwerk binden: Mehr als nur Gehalt
Die Bindung von Fachkräften ist ebenso entscheidend wie deren Gewinnung. Faktoren wie flexible Arbeitszeitmodelle, Entwicklungsmöglichkeiten und Weiterbildung tragen zur Mitarbeiterzufriedenheit bei.
Auch die Vereinbarkeit von Beruf und Familie spielt eine wichtige Rolle. Eine gute Personalführung und eine positive Unternehmenskultur sind maßgeblich.
Betriebe, die diese Aspekte berücksichtigen, können das Wechselrisiko ihrer Angestellten reduzieren. Langfristig lassen sich so qualifizierte Mitarbeiter im Betrieb halten.
Link zu Horizont Handwerk: https://horizont-handwerk.de/personal/mitarbeiter-binden/
5. Mehr Frauen für Ausbildung, Meistertitel und Führung gewinnen
Die Gewinnung weiblicher Auszubildender spielt eine zentrale Rolle für die Zukunft des Handwerks. Viele junge Frauen interessieren sich für praktische, kreative und technisch anspruchsvolle Berufe, benötigen aber oft mehr Einblicke und positive Beispiele aus der Praxis.
Betriebe können hier aktiv unterstützen – etwa durch Praktika, Kooperationen mit Schulen, Berufsorientierungsangebote oder authentische Einblicke in den Arbeitsalltag über Social Media und die eigene Website. Entscheidend ist dabei eine offene Ansprache, die Frauen gezielt mitdenkt und willkommen heißt.
Auch die Förderung von Meisterqualifikationen und weiblichen Führungskräften gewinnt zunehmend an Bedeutung. Frauen übernehmen bereits heute Verantwortung als Unternehmerinnen, Meisterinnen oder Betriebsleiterinnen und tragen entscheidend zur Weiterentwicklung des Handwerks bei.
6. Internationale Fachkräfte als Chance im Handwerk
Die gezielte Rekrutierung internationaler Fachkräfte kann eine Lösung für den Fachkräftebedarf sein. Dies gilt besonders für Engpassberufe im Handwerk. Ein konkretes Beispiel für die erfolgreiche Integration internationaler Fachkräfte bietet die Handwerkskammer Freiburg. Dort arbeiten Fachkräfte aus Usbekistan erfolgreich in einem Handwerksbetrieb im Hochschwarzwald. Sie sind Teil des bundesweiten Pilotprojekts „Future International Talents (FIT) for German Climate Businesses“, das neue Wege der Fachkräfteeinwanderung speziell für klimarelevante Handwerksberufe vor dem Hintergrund der Energiewende erprobt. Dieses Projekt zeigt, wie Betriebe durch internationale Kooperationen ihren Personalbedarf decken können.
Link zum Artikel: https://www.hwk-freiburg.de/fachkraefte-aus-usbekistan-arbeiten-im-hochschwarzwald/
Was bedeutet das für die Betriebe in der Praxis?
- Analyse des Bedarfs: Betriebe sollten ihren aktuellen und zukünftigen Fachkräftebedarf präzise ermitteln.
- Attraktive Arbeitgebermarke: Eine positive Darstellung des Betriebs und der Arbeitsbedingungen ist für die Gewinnung von Talenten unerlässlich.
- Vielfältige Recruiting-Kanäle: Nutzen Sie Social Media, Schulkooperationen und Mitarbeiterempfehlungen parallel.
- Investition in Weiterbildung: Qualifizierungsmaßnahmen für bestehende und neue Mitarbeitende sichern das Know-how.
- Offenheit für internationale Fachkräfte: Prüfen Sie die Möglichkeiten des Fachkräfteeinwanderungsgesetzes (FEG) und entsprechende Unterstützungsprogramme.
Ihre Handwerkskammer berät Sie individuell zu diesen Themen
Text: Handwerkskammer Freiburg
(Stand: Juli 2026)