So fördern Arbeitgeber ältere Fachkräfte im Handwerk
Heinz Reuter ist 62 Jahre alt und arbeitet als Dachdecker. Für seinen Chef, Dachdeckermeister Patrick Gottlieb aus Hohenstein (Hessen), ist Reuter eine zentrale Kraft: Ältere setzen die Maßstäbe, wissen oft schon alles, was Jüngere erst noch lernen müssen.
Biologisches Alter allein ist nicht entscheidend
Wie wir altern, hängt von persönlichen Gewohnheiten, beruflicher Belastung und genetischen Faktoren ab. Ein „biologisches Alter“ kann daher kaum Aufschluss über tatsächliche Leistungsfähigkeit geben. Entscheidend ist, wie Arbeitgeber Gesundheit und Arbeitsfähigkeit im Laufe des Berufslebens erhalten.
Besondere Belastungen im Dachdeckerhandwerk
Muskel- und Skeletterkrankungen, Rücken- und Schulterprobleme sind im Dachhandwerk weit verbreitet. Auch Hörverlust gehört zu den häufigeren Krankheitsbildern. Etwa 30 % aller Befunde im arbeitsmedizinischen Dienst betreffen solche Beschwerden.
Gottlieb reagiert konsequent: Leitern mit Treppenaufgängen, Außenaufzüge und Kräne reduzieren körperlich belastende Arbeiten. Ältere Mitarbeitende übernehmen weniger schwere Aufgaben, etwa Detailarbeiten statt Dauerbelastung. So bleiben sie Leistungsträger.
Altersgemischte Teams nutzen
Durch die Zusammenarbeit von Alt und Jung entstehen Synergien: Junge bringen Energie, Ältere Erfahrung. Das schont alle. Wichtig ist, extreme Arbeitsbelastungen oder monotone Tätigkeiten über den Tag hinweg zu vermeiden. Abwechslung und Rotation helfen, Überlastungen zu reduzieren.
Gottlieb berichtet von einer Altersspanne zwischen 17 und 62 Jahren in seinem Betrieb. Auch das Ausbildungsniveau steigt: Er stellt jedes Jahr zwei Azubis ein.
Ein Betrieb als Vorbild
- Arbeitsorganisation: Einsatz von technischen Hilfsmitteln wie Gerüste mit Treppenaufgängen oder Hilfe durch Auszüge, um körperlich belastende Tätigkeiten zu reduzieren.
- Aufgabenverteilung: Ältere übernehmen Aufgaben, die Erfahrung erfordern und körperlich weniger belastend sind.
- Gesundheitsvorsorge und Teamkultur: Gemeinsame Rücksichtnahme über Generationen hinweg; Überlegungen wie ein betriebseigenes Fitnessstudio sind Teil der Strategie.
Einen weiterführenden Artikel finden Sie bei der DHZ