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Thema des Monats

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Gründungswissen


Bei Kauf eines Betriebs stellen sich unweigerlich zwei Fragen: Was ist der Betrieb wert und lohnt sich der Kauf des Betriebes?

Um diese zentralen Fragen zu beantworten, sollte man wissen, was gekauft oder übernommen wird. Zum einen ist dies sicherlich die Substanz, also die Summe der Marktwerte aller Maschinen, Geräte, Fahrzeuge und Waren, zum anderen der Betrieb als funktionierende Ertrags- bzw. Einkommensquelle.


Wie kann ein Unternehmenswert ermittelt werden?

Für die Ermittlung stehen in erster Linie die folgenden beiden Methoden zur Verfügung:

• Substanzwertmethode – belastbare Methode (Mindestwert)
• Ertragswert – wissenschaftliches Modell basierend auf der Investitionsrechnung

Auf dieser Ertragswertmethode baut auch das AWH-Verfahren der Handwerkskammern auf. Es ist ein bundesweit einheitliches Standardverfahren. Das AWH-Verfahren berücksichtigt Einflussgrößen, die für kleine und mittlere Unternehmen von besonderer Bedeutung sind.

Für die Mitgliedsbetriebe der Handwerkskammern ist diese Bewertung kostenfrei.


AWH-Ertragswert-Verfahren – betriebsnotwendiges Vermögen

Der AWH-Standard basiert auf dem umfassenden Praxiswissen der auf kleinere und mittelgroße Unternehmen spezialisierten Betriebsberater der Handwerkskammern und Fachverbände des Handwerks. Zur Bewertung werden herangezogen:

• Betriebsnotwendiges Anlage- und Umlaufvermögen, z.B. betriebsnotwendiger Waren- und Materialbestand.
• Berichtigung des Ertragswertes bei Übernahme zusätzlicher Werte: Forderungen, teilfertige Leistungen, usw.

Die Bewertung erfolgt ohne Betriebsgrundstück und Gebäude.

 

AWH-Ertragswert-Verfahren – Erfolgsprognose

Auf Basis von testierten Vergangenheitswerten (Bilanzen) wird eine Erfolgs-/Gewinnprognose erstellt. Die Erfolgsprognose wird um Außerordentliches bereinigt und steuerliche Werte werden durch betriebswirtschaftliche ersetzt:

• betriebsfremde und außerordentliche Aufwendungen/ Erträge.
• kalkulatorischer Unternehmerlohn im Einzelunternehmen
• kalkulatorische Verzinsung des betriebsnotwendigen Vermögens
• kalkulatorische Miete

Lediglich erkennbare und feststellbare zukünftige Veränderungen werden berücksichtigt.


AWH-Ertragswert-Verfahren – Kapitalisierungszinssatz

Prognostizierte Rückflüsse aus der Erfolgsprognose werden abgezinst / diskontiert und zum sog. Barwert oder auch Ertragswert aufsummiert. Der Abzinsungsfaktor bzw. der Kapitalisierungszinssatz setzt sich dabei zusammen aus:

Basis Zins (i) - Zins {i} für eine sichere Anleihe Zerobonds
Risiko Zins (r) - Zinsaufschlag {r} in Abhängigkeit vom Risiko

Die Besonderheiten klein- und mittelständischer Betriebe finden primär im Risikozinssatz ihre Berücksichtigung. Die Risiken werden darüber eingepreist und beeinflussen das Ergebnis erheblich.


AWH-Ertragswert-Verfahren – Barwert

Bei der Berechnung des Barwerts werden die prognostizierten Rückflüsse aus der Erfolgsprognose abgezinst und zum sog. Barwert oder auch Ertragswert aufsummiert.

Unternehmenswert (Ertragswert) =

Kapitalisierungszinssatz {i+r}
----------------------------------- x 100
prognostizierter Gewinn


AWH-Ertragswert-Verfahren – Risikostruktur KMU

Kleine und mittlere Unternehmen mit regionalem Bezug haben eine andere Risikostruktur.

• Kundenabhängigkeit (Großkunde)
• Produkt- und Leistungsangebot (Nische oder Masse)
• Branchenentwicklung und Konjunktur
• Standort und Wettbewerb (Erweiterungsmöglichkeiten)
• Betriebsausstattung (Investitionsstau)
• Beschäftigtenstruktur (Überalterung der Belegschaft)
• Personenabhängigkeit (nur ein Meister / Fachmann)
• sonstiges betriebsspezifisches Risiko (Entwicklung im ländlicher Raum)
• Inhaberabhängigkeit - wie wichtig ist der Chef für Umsatz und Rendite?
• Wichtige Kunden
• Hauptlieferanten
• Bankbeziehungen
• technisches Know-how
• Kaufmännisches Know-how
• Produkt- / Sortimentsgestaltung
• Arbeitsablauf / -steuerung
• Produktive Mitarbeit
• fehlende Stellvertreterregelung
• Stellung Umfeld (Vereine, Politik usw.)


Rechnet sich der Kauf des Betriebes zum ermittelten Wert?

Um abschließend zu klären, ob sich der Kauf des Betriebes lohnt, erstellen die Betriebsberater der Handwerkskammern gemeinsam mit Ihnen einen Businessplan - mit dessen Hilfe die Vorteilhaftigkeit (Rentabilität), die Tragfähigkeit und die Finanzierbarkeit Ihres Unterfangens geprüft werden.

Weitere Informationen und Planungshilfen zum Businessplan finden Sie auch hier.
Sprechen Sie uns an: Die Ansprechpartner Ihrer Kammer helfen Ihnen gerne weiter.

 

 Quelle: Handwerkskammer Freiburg

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